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Zum Glück sind diese neun Dinge gescheitert!

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Scheitern gilt als etwas Schlechtes. Als etwas, das man niemandem wünscht. Als etwas Grausames. Kurz: Ein Scheitern muss verhindert werden. Warum? Wegen den befürchteten und negativen Konsequenzen.

In diesem Heft geht es um die ANGST vor dem Scheitern. Diese Angst ist eigentlich unbegründet. Denn scheitern ist etwas Tolles! Glaubst du nicht? Immer diese kritischen Leser… Hier präsentiert als postkulturelles Listicle: Zum Glück sind diese neun Dinge gescheitert.

  1. Die Aufregung ist noch nicht ganz abgeklungen. Drum steht hier zuoberst die Ecopop-Initiative. Überall, wo die Ecopoper aufgetaucht sind, sackte die Stimmung in den Keller. Die sonst übliche und sachliche Zurückhaltung an Diskussionsrunden war im Eimer. Extremisten waren am Werk – einer der Podiumsteilnehmer tauchte sogar mit einer echten Pistole auf. Scheitern kann so schön sein.
  2. Der Herbst ist gescheitert. So richtig. Auf der ganzen Linie. Er zeigte sich nur in den farbigen Blättern. Sonst: Spätsommer bis Ende Oktober. Dann der direkte Übergang zum Winter (alles unter 10 Grad gilt als Winter. Herbst ist schön, Sommer ist schöner.
  3. Gleich noch eine Abstimmung, deren Scheitern für die liberale Gesellschaft äusserst freudig ist: Abtreibung ist keine Privatsache. Christliche Fundamentalisten argumentierten mit Geld, meinten aber die Abtreibung an sich und halten diese grundsätzlich für eines der grössten Übel der Welt. Zusätzlich greifen sie das Recht auf Selbstbestimmung frontal an. Weder für richtige Christen, noch für die Schweiz als Ganzes hat dieses Anliegen Priorität.
  4. Das Geld und dieperspektive (bis Anfang Herbst): Plötzlich war dieperspektive pleite. Wir hatten Schulden und konnten darum unsere vergangenen und kommenden Druckkosten nicht bezahlen. Warum? Weil wir mit Stiftungsgeld gerechnet haben, dies aber nie gekommen ist. Grandios gescheitert. Auf jeden Fall starteten wir einen Spendenaufruf: 7000 Franken in 7 Tagen. Nach der Rettungswoche hatten wir über 8000 Franken gesammelt. Was fast noch wichtiger war: Dank dem Damoklesschwert und dem Pleitegeier kamen wir in den süssen Genuss der Untersützung. Es war und ist schön, dass dieperspektive euch am Herzen liegt. Das motiviert. Zum Glück waren wir pleite.
  5. Jetzt wird’s langsam schwierig. Drum hab ich einen Facebook-Aufruf gestartet. Journalist Dennis Bühler antwortete auf die Frage, über welches Scheitern er sich freut: Der Versuch Ringiers, Vladimir Petkovic genauso unter Vertrag zu nehmen wie Vorgänger Ottmar Hitzfeld.
  6. Geri Müller stand vor dem Aus. Man kann von seinem Pimmeli-Bildi halten was man will. Die Intrige gegen ihn, mit dem Ziel, ihn für immer aus der Politik zu entfernen, misslang. Inzwischen ist der Grüne wieder amtierender Stadtammann von Baden. Das ist ein grandioser Sieg. Wer auch immer ein Nacktselfie von Geri Müller (oder sonst einem Politiker/ einer Politikerin/ irgendeinem Menschen/Tier) zugeschickt bekommt, behält das für sich. Weil es egal ist. Ein Gentleman schweigt und geniesst.
  7. Vielleicht ist diese Liste gescheitert. Das zu beurteilen liegt an dir, liebe Leserin, lieber Leser. Und ob es gut ist, falls diese Liste gescheitert ist ebenfalls.
  8. Für die Redaktion
  9. Simon Jacoby
Hmm, was gibt es da zu sagen? Ich schreibe und lese wahnsinnig gerne. Vor allem Politik und Gesellschaft und Kultur und YOLO interessieren mich sehr fest. Auch Häschtägs mag ich.