Home Editorial Titelgeschichte. Die armen Roma.

Titelgeschichte. Die armen Roma.

0

Die Geheimtipp-Ausgabe ist die erste, die mit einer Titelgeschichte erscheint. In einem offenen Bewerbungsverfahren konnten sich, getreu unserem Konzept „vom Leser für den Leser“, alle als Autoren der Titelgeschichte bewerben. Mit diesem Versuch, der über die nächsten sechs Ausgaben läuft, wollen wir mehr Fleisch am Knochen generieren. Dadurch, dass nur die Titelgeschichte vergeben wird, kann von den Schreibenden ein höherer Einsatz bei der Recherche erwartet werden. Zudem haben wir wie immer genügend Platz für andere tolle Artikel, die ganz einfach und ohne Voranmeldung ins Postfach von Artikel@dieperspektive.ch flattern. Die Roma sind in aller Munde Die Roma wurden von einem fahrenden Volk, das sich den Lebensunterhalt mit Musizieren und dem Unterhalt von Schweinen und kleinen Äckern verdiente, zu einem vertriebenen Volk in der Illegalität. Nicht nur in der Schweiz bläst ihnen ein rauer Wind entgegen: Am schlimmsten tut er dies in Frankreich, Italien und Ungarn. Die Verantwortlichen in Italien (Berlusconi) und in Frankreich (Sarkozy) wurden bereits ersetzt oder sind dabei abgewählt zu werden. In Ungarn wüten die Roma-Hasser noch immer ungehindert. Ministerpräsident Orban liess letzte Woche verlauten, dass in seinem Land alle „Minderheiten in Sicherheit“ seien. Ein einfacher Blick unter die Oberfläche zeichnet ein katastrophales Bild: Die rechtsradikale Partei Jobbik lässt über ihre Schergen, die Szebb Jövört, uniformierte Bürgerwehren organisieren, die gegen die Roma vorgehen sollen. Die Polizei schaut zu. Die Szenen versinnbildlichen eines: Die Roma sind nirgendwo mehr willkommen. Ein kleiner Teil der Volksgruppe ist kriminell. Das ist in der Schweiz auch so. Wir horten illegale Gelder, einige Roma sind Zuhälter. Überall gibt es schwarze Schafe. Auch die Integration der Roma könnte einfacher verlaufen. Doch: Wer war schon mal in Zug? Oder am Paradeplatz? Da laufen Horden von miserabel integrierten Anzugträgern aus den USA und England umher. Niemand kümmert‘s. Sie haben schliesslich Geld. Die Historikerin Julianna Orsós schrieb genau vor einem Jahr: „Die meisten erklären den Lebenswandel des Zigeunertums mit irgendeinem östlichen, nomadischen Freiheitsdrang. Nur wenige sprechen davon, dass Ende des 19. Jahrhunderts nur noch zwei Prozent der Zigeuner ein Nomadenleben führten. Bevor der werte Leser erwidert, dass die Zigeuner endlich arbeiten und sich ‚integrieren‘ sollen, sollte er lieber darüber nachdenken, für welchen Lohn die Menschen als Tagelöhner auf dem Land arbeiten. Auch die Zigeuner. Und ja, die meisten arbeiten als Saisonarbeiter. Angesichts der Automatisierung besteht aber auch für solche Arbeitskräfte immer weniger Bedarf. […] Selbst die schulische Segregation der Zigeuner hat nicht erst heute begonnen. […] Sie reicht bis in den Sozialismus zurück.“

Simon Jacoby
Für die Redaktion

Hoi ich bin dieperspektive. Ich stelle hier alle Texte von dir und sonstigen Schreiberlingen auf die Webseite. Auch Anlässe und wichtige Infos stelle ich online. Wenn du also mal einen Text für mich hast: artikel@dieperspektive.ch. Wenns es etwas Pressantes ist, erreichst du mich am besten über Facebook oder Twitter. Im Newsletter zeige ich dir immer die wichtigen Dinge, die um uns so geschehen. Dafür kannst du dich im Hauptmenü unter Abonnieren eintragen. Dort kannst du auch unsere Printausgabe bestellen.

Ähnliche Artikel