Home Thema Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit ist mir wichtig. Ohne Aber.

Nachhaltigkeit ist mir wichtig. Ohne Aber.

«Wir mögen Greenpeace, WWF, Supermärkte ohne Verpackungen, Vegan, Vegetarisch und Slowfood. Aber kaufen unsere Schuhe auf Zalando, fliegen mit Easyjet an eine Party in Berlin und nehmen vier Plastiksäckli im Coop. Und hin und wieder ein Cheeseburger im Mac nach einer durchfeierten Nacht hat noch nie geschadet.»

Die Aufforderung zu dieser Kolumne hat mich glücklich gemacht. Weil mich dieses Thema umtreibt und ich jeden Tag in meinem Umfeld diese Debatte führe. Und auch weil ich für mich sagen kann, ja, ich bin konsequent und lebe, was ich politisch fordere. Strike! Leider interessiert’s politisch niemanden.

Konkret: Ja, ich bin Mitglied bei WWF und Greenpeace. Ja, ich versuche in Supermärkten ohne Verpackungen einzukaufen, was nicht so einfach ist in der Schweiz. Vegan bin ich nicht, esse Fleisch vom Biohof Heimenhaus, da weiss ich genau von wo die Tierli sind und Slowfood – naja, mit einem Kleinkind gibt’s glaubs nichts anderes, oder?

Und nein, ich kaufe meine Schuhe nicht auf Zalando, weil die nur Billiglöhne zahlen und keinen guten Arbeitnehmerschutz kennen und fliegen tu ich gar nicht. Im Mac war ich seit dem Rinderwahnsinn nicht mehr und habe das Vorhaben «gegen Multis hilft nur die KonsumentIn» immer in meinem Poschettli. Das heisst, ich kaufe auch nichts von Néstle, Unilever etc. – wenn es denn ersichtlich ist.

Die Frage ist nun wirklich: Warum finden alle so ein bisschen öko sein ist total hip, aber ich lebe, wie ich will?  Warum sagen alle im Gespräch, jaja, du hast schon recht, aber ich kann’s eben noch nicht grad ändern. Warum wählen viele die Grünliberalen und stehen nicht mal dazu? Genau das ist der Punkt. Es gehört zum guten Ton sich für die Umwelt einzusetzen und sich ökologisch und engagiert dafür zu äussern. Wenn es aber um Verzicht geht oder um Konsequenz sind wir doch Luxuskinder und das Angebot ist zu gross und Geld haben wir auch genug. Warum sollte ich diese Peperoni nicht kaufen, welche mich da so schön anlacht in der Auslage. Sie ist ja eh schon da. Und saisonal kochen kann ich ja dann morgen mal. Warum sollte ich auf eine Woche Wärme verzichten, wenn das Angebot für die Seychellen so billig und verlockend ist. Und warum sollte ich Velofahren, wenn ich doch so ein cooles Auto habe?

Weil es um deine Lebensgrundlage geht, f***. Weil du nur dank sauberer Luft, sauberem Wasser und gesunden Lebensmitteln überleben kannst. Und weil kein anderes Lebewesen auf dieser Welt so dumm ist und sich seinen eigenen Lebensraum zerstört. Und weil du die Macht hättest, mit kleinen Veränderungen, extrem viel zu verändern.

Beginn jetzt und leg das Kotelett zurück ins Regal.

Aline Trede ist grüne Nationalrätin aus dem Kanton Bern. Nicht alles an ihr ist aber grün: Sie hat fünf verschiedenfarbige Brillen, keine einzige davon ist grün. Weil sie Politikerin ist, schreibt sie für uns immer über Politik.
  • panpso

    ich bin einer der leute, der ein bisschen öko ist. nicht, weil ich auf das billige marketing von coop und migros reinfalle, sondern weil die eier vom freilandhuhn schlicht und einfach besser schmecken. aline trede gehört aber zu diesen öko-menschen, welche ultrareligiöse, uneinsichtige und fundamentalisten mit anderer einstellung als die eigene belachen. doch selbst hat sie nicht gemerkt, dass öko zu ihrer religion geworden ist. fast schon wie ein ultraorthodoxer hat sie ihr leben auf dem kopf gestellt um ihrer ideologie zu entsprechen. bei den coolen sachen wie neue handies und kühlschränke macht man da eine ausnahme. ein neues iphone ist halt leider geil… frau trede, wieso versuchen sie alle zu ihrer religion umzuerziehen? es liegt doch klar auf der hand, dass der mensch erst zu solarstrom wechselt, wenn es wirtschaftlich ist. politisieren sie damit!