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Editorial: Nachhaltigkeit und das Dschungelbuch

Wer kennt sie noch, die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch, die Mogli mit ihren hypnotisierenden Augen in ihren Bann zieht, und ihn nach ihrer Pfeife tanzen lässt? Und jene andere Schlange,  damals, im Paradies, die Eva dazu verführte vom Baum der Erkenntnis zu essen? Genau so versucht sie uns heute immer wieder vom nachhaltigen, ethisch korrekten Leben abzuhalten. Wer denkt, die Schlange habe nichts mit Nachhaltigkeit zu tun: Bitte nochmals das Cover dieser Ausgabe anschauen (aber nicht zu tief in die Augen!) – Und, die Schlange entdeckt? Perfid wie sie ist hat sie sich in einen orangen Flugzeugsicherheitsgurt verwandelt. Die orange Fluggesellschaft kennen wir alle.  Wir sind alle immer wieder kleine Moglis und Evas, die der verführerischen Schlange widerstehen müssen.

Fährst du ins nahe Ausland, nimmst du natürlich den Zug. Die Schlange will dich davon abhalten: „Nimm doch das Flugzeug statt den Zug, ist doch viel schneller, und erst noch billiger!“ Deine Fairtrade-Sneakers kaufst du im netten, kleinen, unabhängigen Kleiderladen. Aber Halt!, sagt die Schlange: „Du musst doch jetzt nicht extra in die Stadt nur wegen einem Paar neuen Schuhen! All die zigtausend Leute dort! Zalando hat ja alles und ist immer da wo du und dein Internet sind!“ Das Poulet, das du kaufst, ist Bio und regional. Beim Fleischkaufen hast du sowieso immer ein schlechtes Gewissen im Hinterkopf. In Form eines orangen 50% – Klebers auf dem Poulet aus slowenischer Massentierhaltung versucht dich die Schlange auch davon abzuhalten. Immer und überall versucht sie dich davon abzuhalten, nachhaltig zu leben!

Mantraartig murmelst du zu dir selbst: „Muss nachhaltig leben, nachhaltig leben, nachhaltig leben, darf der Versuchung nicht nachgeben, nicht nachgeben, nicht nachgeben. Ich geb nicht nach, ich geb nicht nach, ich geb nach-HALT!-ig leben, nachhaltig leben…“ Grad nochmal gut gegangen.

Ja, ein nachhaltiges Leben zu führen kann anstrengend und teu(r)er sein. Aber es muss nicht. Der Versuchung zu widerstehen ist meiner Meinung nach vor allem Kopfsache und zu einem grossen Teil eine Frage der Gewohnheit. Aus ethischen Gründen nachhaltig zu leben erfordert auch den Glauben daran, als einzelner Konsument, als kleines Rädchen im System, etwas zur Veränderung beitragen zu können. Wer diesen Glauben nicht hat, der soll sich von der Nachhaltigkeit an der Nachhaltigkeitswoche an diversen Zürcher Hochschulen vom 2.-6. März überzeugen lassen (siehe Seiten 21-24). Insbesondere der Thementag zu „Faulheit“, an dem unter anderem eine „feierliche 24-Stunden-Siesta“ begangen wird, sollte auch die letzten Zweifler von der stressfreien und gesunden Seite des nachhaltigen Lebens überzeugen. Wir meinen: Statt uns von Kaa verführen zu lassen, probieren wir’s lieber mit Gemütlichkeit – aber viel Überzeugung.

 

Für die Redaktion

Marius Wenger

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