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Beim WC-Papier hört der Spass auf

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Wer mit mir in einer Wohngemeinschaft wohnen will, muss zehn Punkte erfüllen. Mindestens. Gut, vielleicht nicht alle immer zu jedem Zeitpunkt, aber es wäre wünschenswert. Denn über gewisse Punkte kann ich hinwegsehen, andere hingegen würden in einen Kleinkrieg ausarten. Und fürs Prinzip würde ich sehr weit gehen. Was ich dafür biete? Ich erfülle diese zehn Punkte ebenso und zwar so gut, wie es geht.

Hier meine Liste, was mein potenzieller WG-Mitbewohner/meine WG-Mitbewohnerin tun und lassen sollte:

  1. Es muss immer reichlich Toilettenpapier vorhanden sein. Ist eine Rolle leer, wird sie gewechselt. Ist kein Ersatz mehr hinten auf dem Spülkasten, wird Ersatz geholt. Sind im Schrank keine Ersatzrollen mehr vorhanden, werden neue gekauft und dabei meine ich nicht nur eine Rolle, sondern mindestens zehn. So einfach ist das.
  1. Meine Zahnpasta ist meine Zahnpasta. Dieses Gesetz ist nicht in Stein gemeisselt und natürlich darf man im Notfall auch mal meine benutzen, ABER sollte dieser Fall jemals eintreten: Die Paste wird von hinten nach vorne langsam hinausgedrückt!
  1. Meine Esswaren werden nicht gegessen. Und wenn doch: Ersetzen. Und ich rede hier nicht von Ketchup oder Konfitüre, sondern von einem guten Stück Fleisch, welches ich für Gäste eingekauft habe. Ansonsten würde ich einfach den Beluga-Kaviar ersatzlos verspeisen. Auge um Auge, Ei um Ei.
  1. Es wird angeklopft. Wer meinen Privatbereich betreten will, klopft bitte an. Nicht, dass ich jedes Mal eine wilde Orgie veranstalte, wenn die Türe zu meinem Zimmer geschlossen ist, aber vielleicht schaue ich mir gerade heimlich das neuste Video von David Guetta an. Und es wäre ziemlich peinlich, wenn ich dabei erwischt würde. Als junger urbaner Stadtzürcher hat man ja einen Ruf zu verlieren.
  1. Die Miete muss bezahlt werden. Regelmässig. Pünktlich. Mit Geld und nicht mit Lunchchecks. Woher das Geld kommt, ist mir dann auch Wurst, solange nicht im Wohnzimmer Kokain auf Kilobasis vertickt wird. Das hat schon damals in «Scarface» nur für Unruhe gesorgt.
  1. Die Schuhe gehören in den Schuhkasten und nicht in die Mitte des Ganges. Wir sind nicht mehr fünf- oder achtjährig. Und wir sind auch nicht verhaltensgestört, also sollte das kein Problem sein. Ansonsten finden sich die Schuhe zusammengebunden an der Stromleitung vor dem Haus hängend wieder.
  1. Fifa spielen. Ich brauche immer mal wieder jemanden um Fifa zu spielen und manchmal will man nicht erst jemanden organisieren. Da sollte dann der Mitbewohner ranmüssen. Ich schaue dafür Germanys Next Topmodel mit oder mache sonst etwas, was ich alleine nie tun würde, mir aber trotzdem irgendwie gefallen wird, obwohl ich das nie zugeben würde.
  1. Der Zürisack wird nicht erst gewechselt, wenn er übervoll ist. Der Bioabfall auch nicht. Das macht man einfach nicht. Wir sind erwachsene Menschen. Solche Dinge machen Erwachsene in der Regel, ohne zu murren. Irgendwann, wenn wir dann reich sind, werden wir über diese Momente lachen, als wir noch selber den Abfall raustragen mussten. Aber bis dahin: Einfach selber entsorgen.
  1. Es wird am gleichen Abend abgewaschen. Das dreckige Geschirr wird nicht tagelang in der Küche gelagert, es wird am Abend der Benutzung noch abgewaschen. Ausser wir haben eine Party gefeiert, dann gelten Sonderregeln. Aber dann gehen wir vielleicht auch dazu über, einfach alles zu verbrennen. Je nachdem.
  1. Dein Zimmer ist zwar dein Zimmer, aber das berechtigt noch lange nicht, in Überlautstärke Pornos zu schauen. Falls dies doch die Meinung sein sollte, werde ich in den Fachmarkt gehen und mir Schallschutzkopfhörer und eine Helene-Fischer-Live-DVD besorgen. Die DVD wird dann voll aufgedreht laufen, bis die Polizei mich wegen schwerer Körperverletzung festnimmt.

Aber ansonsten bin ich ganz umgänglich. Ich bin ja kein Bünzli. Oder zumindest nur ein bisschen. Manchmal.

 

Text: Marco Büsch

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