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Habe Publizistik studiert und interessiere mich für die verschiedene journalistische Formen. Bei dieperspektive bin ich als Redaktor tätig und kümmere mich um die Verlagsarbeit. Im Zeitalter der Überinformation überlege ich mir bei jedem Satz zweimal, ob er sich zu sagen lohnt.

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Raffael Gasparini kommt aus der Snowboard-, Skate-, Surfbranche: Er war Einkäufer in Trendläden. Als er die Machenschaften der Textil-branche und Grosskonzernen zu hinterfragen begann, konnte er nicht mehr anders als auszusteigen. Vor sechs Jahren eröffnete Raffael seinen eigenen Kleiderladen « auras fair & style store ». Das Konzept: alle Kleider müssen nachhaltig sein.

dieperspektive: Warum hast du einen nachhaltigen Kleiderladen gegründet?
Raffael Gasparini:
 Früher als Einkäufer für Trendstores habe ich Kleider ausgepackt, und mir begannen die Augen zu Tränen vor lauter Giftstoffen. Manchmal waren die Shirts noch feucht und man musste die Mittel mehrere Tage verdampfen lassen. Ich dachte mir, das kann doch nicht sein. Die Textilindustrie richtet viel Leid an. Extrem viele Bauern erkranken schwer an allen diesen Giften. Nach zehn bis fünfzehn Jahre sind die Anbaugebiete so verseucht, dass die Firmen die Länder verlassen. Bei diesem Business wollte ich nicht mehr mitmachen.

Du bezeichnest dich als Pionier der fairen und modischen Bekleidung in der Schweiz. 

Wir waren der erste Fashion Trend-Laden, der 100 Prozent nachhaltig ist. Vorher gab es Läden wie Claro und so weiter – diese Kleider waren aber auch optisch öko.. Unsere Idee war es, Kleider zu verkaufen, die nicht nach Bio aussehen. Vor knapp sechs Jahren als ich den Laden eröffnete fand ich nicht einmal genügend Kleider, die unseren Kriterien entsprachen. Der Laden war halb leer.

Hast du damit auch einen aufkommenden Trend bedient?
Anfangs dachte ich, in einem Jahr machen das alle Brands. Darum wollte ich sofort eröffnen, um nicht zu spät zu sein. Damals glaubte ich, in ein paar Jahren gibt es nur noch nachhaltige Produkte. Das war eine grobe Fehleinschätzung. Langsam beginnt das Interesse an faire Textilien zu steigen. Es ist nicht so, dass wir schon viel Gewinn machen – seit einem Jahr lebe ich immerhin am Existenzminimum. Die fünf Jahre davor war ich drunter.

Biologisches und regionales Essen ist schon längst verbreitet. Bei der Bekleidung hingegen gibt es wenige Produkte von grossen Anbietern. Woran liegt es, dass die Leute sich nicht besonders darum kümmern, wie fair ihre T-Shirts sind?
Ich glaube viele Menschen sind da etwas egoistisch. Beim Essen betrifft uns Bio persönlich. Wir bezahlen etwas mehr, um keine Giftstoffe zu essen. Die Gesundheit der Bauern und die Umwelt sind dabei zweitrangig. Viele denken Textilien, die mit Pestiziden produziert wurden, schaden uns als Person nicht. Das ist aber falsch. Da besteht ein Mangel an Information.

Was genau verstehst du unter fairer Bekleidung?
Wir verkaufen auch recyclete Mode, dort sind die Ursprungs-Stoffe dann zum Teil nicht Bio, aber nachhaltig ist das Produkt trotzdem. Ich habe fünf transparente Kriterien für meinen Store. Alle unsere Produkte müssen eines dieser Kriterien erfüllen, wobei mittlerweile 95 Prozent der Kleider das Kriterium Bio erfüllen. Aber konkret: Unsere Produkte sind Fairtrade, Recycling, Marken die an soziale Projekte gekoppelt sind, Seconhand und eben Bio.

Wir kaufen in der Schweiz Kleider von internationalen Marken, welche zu Bedingungen produzieren, die in der Schweiz nicht erlaubt sind wie Kinderarbeit und Umweltvergehen. Müsste man da eine gesetzliche Grundlage schaffen, damit solche Produkte nicht mehr verkauft werden dürfen?
Das finde ich eine super Idee. Beispielsweise könnte man den Zoll auf zertifizierte Produkte aufheben. Aber es geschieht genau das Gegenteil. Das ist doch absurd. Aber der Filz verdient nun mal an den Entwicklungsländern. Darum passiert gar nichts.

Nike plant gemäss ihrem Report eine nachhaltige Firma zu werden. Was hältst du davon, wenn sich grosse Unternehmen, die jahrelang wegen schlechten Arbeitsbedingungen in den Schlagzeilen waren, sich plötzlich öko und sozial geben?
Diese Unternehmen funktionieren nur nach Profit. Wenn sie nachziehen mit der fairen und nachhaltigen Produktion, dann begrüsse ich es natürlich. Mir geht es um die Sache. Was jedoch wirklich schade wäre, wenn uns die Grossen dann die Ressourcen wegnehmen. Denn das Angebot an fairen und biologischen Rohstoffen ist ja noch immer sehr beschränkt. Für alle kleinen und nachhaltigen Läden wäre das ein Horrorszenario.

Wie lautet deine Prognose für die nächsten fünf Jahre bezüglich fairer Bekleidung in der Schweiz?
Ich glaube, es entwickelt sich eine stabile Kundschaft für diese Produkte. Die Einsicht wird kommen, aber das braucht seine Zeit.

Hast du weitere Pläne mit deinem Laden?
Ich eröffne möglichst bald einen Online-Shop. Auch wenn mir das von der Philosophie her etwas widerstrebt. Aber hey, ich habe dafür extra ein Firmenkonto bei einer nachhaltigen Bank gemacht, sowie einen Hoster gefunden, der seine Server mit Solarstrom betreibt.

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Marcus Kuhn ist mit seinem Startup gescheitert. Er ist Mitgründer der Failcon, eine Konferenz welche sich dem Scheitern von Unternehmen widmet. Damit versucht er auf das Positive der Misserfolge hinzuweisen. Wir haben mit Marcus Kuhn über die Angst vor dem Scheitern gesprochen.

Sie sind 2012 mit dem Start-up «Connexio» gescheitert. Sechs Personen haben Ihre Stelle verloren. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als klar wurde, dass Ihr Startup scheitern wird?
Der Moment der Entscheidung ist eine Erleichterung. Sehr schwierig sind die Monate davor. Man kämpft – will es nicht wahrhaben. Als ich die Entscheidung traf das Unternehmen zu schliessen, wusste ich wenigstens, wohin es gehen soll. Das Schwierigste war es, die Mitarbeiter zu entlassen. Ich habe persönlich für alle Mitarbeiter Anschlussjobs gesucht. Innerhalb von zwei Wochen hatten alle einen neuen Job. Abgesehen von meinen Mitgründer und mir.

Die Krise ist aber nicht von heute auf morgen gekommen?
Der ganze Weg hin zu dieser Entscheidung war enorm schwer. Aber ich glaubte bis zum Moment der Entscheidung an eine positive Wende. Zwei Tage vor dem Ende haben wir noch eine Kampagne gestartet. Das hätten wir niemals gemacht, wenn wir das Ende als unabwendbar gesehen hätten.

Haben Sie sich vor der Firmengründung und Krise schon Gedanken darüber gemacht, was passiert wenn Sie scheitern? Hatten Sie Angst davor?
Ja und nein. Als Jungunternehmer hat man nicht eine Krise, wir hatten mit dem Startup zwei Nahtod-Erlebnisse. Das dritte war dann ein Volltod-Erlebnis. Dieses nahe am Abgrund stehen ist für ein Start-up normal. Als Gründer hast du aber oft eine wichtige und spezielle Eigenschaft: Deine Wahrnehmung wird extrem selektiv und du ignorierst die Angst davor. Man ist dann naiv. Aber es gibt Schlimmeres als mit seinem Start-up zu scheitern.

Zum Beispiel?
Einen regulären Job anzunehmen. Ein Anstellungsverhältnis ist nichts für mich.

Was genau assoziieren Sie mit dem Begriff scheitern?
Man muss unterscheiden: Scheitere ich als Person oder scheitert das Unternehmen? Ich habe das Scheitern nicht mit mir als Person verknüpft. Es gibt da zuviele miteintscheidenden Faktoren. Klar, auch ich als Person muss mich verbessern. Im Nachhinein sehe ich dutzende Dinge, die ich falsch gemacht habe. Aber im Gegensatz zum Unternehmen kann ich es einfach nochmals probieren.

Sie haben einmal gesagt, dass der Schweiz eine Fehlerkultur fehlt und dass Scheitern durchaus positiv gesehen werden kann. Wie meinen Sie das?
Etablierte Statistiken belegen, nur circa eines von dreizehn Start-ups hat Erfolg. Das ist normal so. Die zwölf gescheiterten Start-ups gehören dazu. Die sind wichtig für Innovationen. Versucht man jedoch Unternehmungen ohne Erfolgsaussichten weiter am Leben zu erhalten, dann ist es problematisch. Dort werden extrem viele Ressourcen unnötig gebunden. In der Schweiz wird tendenziell zu lange am Unternehmen festgehalten.

Was läuft denn falsch in der Schweizer Innovations-Szene?
Es wird zu engstirnig gedacht. Wir sind in einem kleinen Land mit einem kleinen Markt. Aber es wird eben auch so klein gedacht. Das ist ein grosses Problem.

Woher kommt diese Eigenheit?
Vielleicht von unseren Grundwerten? Wir Schweizer sind so konsensorientiert. Es fehlt uns an einer gewissen Agressivität. Das ist jetzt natürlich sehr generalisiert.

Könnten Sie es sich verzeihen, wenn auch Ihre zweite Firma zumachen muss? Nehmen Sie das Scheitern persönlich?
Als ich schliessen musste habe ich mich sicher hinterfragt. Aber es gibt verschiedene Arten von Scheitern. Wenn ich mit meinem Unternehmen einen Schuldenberg hinterlasse, dann liegt das an mir. Wenn wir wegen mangelnder Nachfrage schliessen, dann sehe ich das weniger als Scheitern.

Was raten Sie jemandem mit einer genialen Idee, der sich aber nicht getraut diese umzusetzen, weil die Möglichkeit des Scheiterns besteht?
Brechen sie die Idee auf die kleinstmögliche Sache herunter und geben sie diese einem Nutzer in die Hand. Dieser Gedanke basiert auf der Methodologie «lean Startup». Das hilft enorm. Danach muss man einfach über seinen Schatten springen und versuchen die Risiken klein zu halten.

Sie haben die Schweizer Version der Konferenz «Failcon» mitbegründet, die sich dem offenen Umgang mit Misserfolg widmet. Warum wollen Sie sich unbedingt mit dem Misserfolg auseinandersetzen?
In der Wirtschaft selber wird immer nur über positives berichtet. Man betont logischerweise was alles gut läuft. Dabei bringt es viel mehr, wenn man schaut was eigentlich nicht funktioniert. Das wird aber nie öffentlich diskutiert. Hier soll «Failcon» eine Plattform bieten. Das Paradebeispiel sind Forscher. Die publizieren nur erfolgreiche Ergebnisse aber keine Fehler. So werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht. Das ist extrem ineffizient. Da liegt eine Goldgrube an Information einfach brach.

Warum werden Misserfolge verschwiegen?
Wenn Sie auf einen Unternehmer erzählt Ihnen ausschliesslich von seinem Erfolg. Er promotet sich selber. Er will, dass Sie ein positives Bild von seinem Unternehmen haben. Ich sehe da glücklicherweise eine Trendwende. Man beginnt auch über Misserfolg zu sprechen.

Scheitern wird bei unserer Generation hip?
Es gibt heute viele Lifestyle-Unternehmer. Die machen ein Projekt, weil es toll ist ein Start-up zu haben. Diese Leute lassen es vielleicht auch so aussehen, wie wenn das Scheitern was tolles und modernes ist. Als richtiger Unternehmer mit Herzblut fühlt sich das aber alles andere als toll an, wenn Sie Ihr Unternehmen zumachen müssen.

Also doch lieber nicht scheitern? Haben Sie Ihren Mut nach dem ersten Misserfolg etwas verloren?
Nein. Ich riskiere immer noch gleich viel. Aber ich habe eingesehen, dass es nichts bringt, hoffnungslos an etwas festzuhalten.

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    Peter Werder

    Sie reden in Ihrem Heftli über die Angst vor dem Scheitern. Ich finde: Das ist schlimmer geworden. Früher hat man mehr gewagt. Heute will man sich auf alle Seiten absichern.

    Conradin Zellweger

    Das stimmt nicht ganz. Schauen sie mal, wie heute Start-Ups aus dem Boden sprissen. Das ist doch nur möglich, weil wir uns mittlerweile wagen, unsere eigenen Ideen und Projekte umzusetzen.

    Peter Werder

    Dass es noch Start-Ups gibt, ist toll – aber es wird für Jungunternehmer immer schwieriger, weil es immer mehr Vorschriften gibt. Das führt zu mehr Kosten, mehr Risiko, gegen die Vorschriften zu verstossen, was wiederum höhere Ansprüche an alle Beteiligten stellt. Fehler passieren aber immer. Das gehört zum Leben.

    Conradin Zellweger

    Sie finden jetzt wahrscheinlich, dass der Staat uns ganz unserem Schicksal überlassen soll?

    Peter Werder

    Wir haben eine Anspruchshaltung entwickelt, dass uns der Staat vor allen Gefahren schützen soll. Ein Beispiel: Eine ausrangierte Dampflokomotive, die seit 30 Jahren auf einem Spielplatz in Adliswil steht, muss verschwinden – weil Beamte rausgefunden haben, dass es zu gefährlich ist, darauf zu spielen. Sollte tatsächlich etwas passieren, gäbe es mit Sicherheit besorgte Eltern, welche nach Verantwortlichen suchen würden. Wir erwarten immer mehr Schutz vom Staat, und je höher dieser Anspruch wird, desto höher ist auch das Risiko, dass etwas passiert. Umso mehr sichern sich Beamte ab. Ein Teufelskreis. Da sollten wir mal einen Marschhalt einlegen.

    Conradin Zellweger

    Schade. Solche Eingriffe von Beamten finde ich auch unnötig. Aber um das geht es Ihnen doch gar nicht. Sie wollen die Sozialleistungen kürzen!  Ginge es nach Ihnen, wäre der Spielplatz privatisiert und würde Eintritt kosten. Bei Unfällen würde der Spielplatzbetreiber keine Haftung tragen.
    Zum Glück haben wir nicht die gleiche Rechtslage wie in den USA. Dort getrauen sich die Leute nicht einmal mehr eine Person wiederzubeleben, weil sie danach für gebrochene Rippen verklagt werden können… Abstrus, nicht wahr?

    Peter Werder

    Genau. Aber das ist genau die Folge von solchem Staatsinterventionismus.

    Conradin Zellweger

    Die USA haben auch ein sehr liberales Rechtssystem… Das hat genau null mit Staatsinterventionismus zu tun.

    Peter Werder

    Der Staat reguliert, damit nichts passiert – wie in den USA. Das ist nicht liberal, wie es unser Land kennt – worauf unser System baut. Das ist US-liberal. Das ist kommunistisch. Die USA waren einst ein freiheitliches Land mit Mut zum Scheitern. Mut bedeutet immer überwundene Angst. Das gehört zusammen. Vom Mut ist nicht viel geblieben, ausser eine Gesellschaft, die sich überall absichert und gleich nach Schadenersatz schreit. Und wir sind auf einem ähnlichen Weg.

    Conradin Zellweger

    Haha. Die USA kommunistisch! Dort kann doch jeder soviele Maschinengewehre besitzen wie er will, respektive wie er sich leisten kann. Wir haben offensichtlich ein ganz unterschiedliches Verständnis vom amerikanischen Liberalismus. Und nicht, dass sie mich falsch verstehen – ich bin auch gegen die vielen pingeligen Gesetze. Klar gehören Fehler zum Leben. Ich glaube es ist heute einfacher in Würde zu scheitern als je. Heute kriegen Sie zumindest noch Sozialhilfe und verhungern nicht gleich, wenn Ihr kleines Restaurant eingeht oder Sie an der Börse alles Geld verlieren.

    Peter Werder

    Das ist doch genau das Problem! Erstens unternimmt der Staat alles, damit ich nicht scheitere – und wenn ich scheitere, dann fängt mich ein Netz aus Plüsch und Verständnis auf. Das fängt schon in der Schule an. Und führt bis zum Sozialsystem.

    Conradin Zellweger

    Im Gegenteil! Sie haben ja alle persönlichen Freiheiten um zu Scheitern. Nennen Sie mir etwas, dass Sie wegen dem bösen Staat nicht machen können. Aber wenn sie wirklich scheitern, dann werden sie zum Glück aufgefangen. Das macht uns doch nicht ängstlicher. Das gibt doch Mut, trotzt Risiko etwas auszuprobieren.

    Peter Werder

    Genau das stimmt nicht. Menschen macht man nicht mutig, indem man ihnen die Konsequenzen ihres Handelns abnimmt, sondern indem man sie befähigt, mit der Angst vor diesen Konsequenzen umzugehen. Sie meinen, wir seien frei und der Staat rede uns nicht rein? Bauen Sie mal ein Haus, oder bauen Sie in einem bestehenden Haus eine Wohnung aus. Eröffnen Sie eine Kinderkrippe, oder stellen Sie ein Tischchen mit zwei Stühlen vor einem Kiosk auf. Versuchen Sie, Taxifahrer zu werden. Dann werden Sie erleben, wie präsent der Staat ist. Es ist überreglementiert, wo man hinsieht, damit wir nicht scheitern. Und Sie merken das nicht??

    Conradin Zellweger

    Konnte mir leider noch kein Haus leisten… Aber zum Beispiel die  Reglementierungen in der Gastronomie  finde ich auch völlig abstrus. Diese Regel mit Lüftungen et cetera. Das dient doch nur dazu, dass die grossen Gastro-Multis keine Konkurenz bekommen. Bringen tut das ganz und gar nichts. Beim Taxifahren ebenfalls. Wenn Sie mit Uber fahren wollen, nur zu. Ich will sie als Letzter davon abhalten.

    Peter Werder

    Ich fahre seit Wochen nur noch mit Uber, weil ich hoffe, damit einen kleinen Beitrag zur Aufhebung der Regulierung leisten zu können. Und weils bequemer und billiger ist. Und weil die bei Uber alle nett sind.

    Lustig – dass Sie all die Regulierungsbeispiele doof finden und trotzdem ein Sozi sind. Wo ist Ihre soziale Ader? Wo ist das schlechte Gewissen? Wo ist die Idee der staatlich gemachten Gleichheit? Sie müssten doch Feuer und Flamme sein, wenn der Staat uns vor dem Scheitern bewahrt, weil sich die Menschen grundsätzlich nicht selber wehren können (ausser, sie verdienen viel Geld)?

    Conradin Zellweger

    Herr Werder,  es ist ja nicht so, dass ich jedem Aussteiger hinterherlaufen würde und ihm Geld für sein Schrebergärtli geben will. Aber es gibt nunmal Personen, die können nicht genug Geld für Ihren Lebensunterhalt verdienen. Was wollen Sie mit diesen Menschen machen? Für Sie heisst Aufhebung der Regulierung immer auch gliech Abschwächung des Sozialstaats. Das ist Humbug. Diese Zwei Dinge muss man getrennt betrachten. Bünzli-Vorschriften: I dislike. Sozialleistungen: I Like. So schauts bei mir aus.

    Peter Werder

    Ihre Gesinnungsgenossen sehen das etwas anders. Schauen Sie sich nur mal die Regulierung im Umfeld von Billag und Service Public an. Weil wir mittlerweile gezwungen werden, die SRG zu finanzieren, braucht es peinlichst genaue Vorschriften darüber, wie der Online-Auftritt unseres Staatssenders aussehen darf.

    Conradin Zellweger

    Dieses Beispiel ist gut. Die Bevölkerung hat sich für die Billag ausgesprochen. Damit die SRG aber mit ihrem subventionierten Angebot das privatwirtschaftliche Angebot nicht konkurenziert, waren diese «peinlichst» genauen Vorschriften notwendig. Das sollte Sie doch freuen, wenn ein Staatsbetrieb im Zaum gehalten wird und mehr Platz für private Medienhäuser bleibt..

    Peter Werder

    Das sind Bünzli-Vorschriften! Und der Sozialstaat ist da besonders auffällig, weil Geld umverteilt wird. Da ist Missbrauch naheliegend. Befürworter wie Sie hinterfragen viel zu wenig, ob den Sozialhilfebezügern mehr Eigenverantwortung zugemutet werden könnte. Aber – und da finden wir uns wohl: Es gibt Menschen, die zur Eigenverantwortung nicht befähigt wurden und nicht befähigt werden können, und denen müssen wir helfen.

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    Graffiti, Ruinen, schräge Fetische und unermüdliche Natur. Wir haben eine Industrieruine in Zürich besucht und waren erstaunt, welch unterschiedliche Welten dort aufeinandertreffen. Eine Bild-Reportage über den Verfall einer alten Spinnerei und deren neues Innenleben.

    Ein hoher Zaun soll das Areal von unerwünschten Besuchern frei halten. Doch auch der Zaun ist schon in die Jahre gekommen. Die Gebäude sind verlassen. Man hört die eigenen Schritte an den Wänden widerhallen. Überall liegen Ziegelsteine und Metallteile. Viele Eingänge sind zugeschüttet, Decken eingestürzt und überall liegen verkohlte Holzbalken. Wir gehen vorsichtig um die Ecken und versuchen, nicht zu viel Lärm zu machen. Beim kleinsten Geräusch bleiben wir wie angewurzelt stehen. Der feuchte Modergeruch begleitet uns auf Schritt und Tritt. Erst eine halbe Stunde zuvor sind wir in Bülach aus der S-Bahn gestiegen und haben uns auf den Weg zum ehemaligen Industriegelände gemacht. Das ist längst vergessen. Die Zeit im Innern dieser Gebäude scheint nicht nach dem Diktat unseren Uhren zu laufen. Hier regieren seit über dreissig Jahren die Naturgewalten über Mauern und Maschinen.

    1982 wurde die ehemalige Spinnerei geschlossen und es begann ein Tauziehen zwischen Denkmalschutz und dem Besitzer. Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Dieses Sprichwort trifft auch im Fall der alten Spinnerei zu. Sprayer, Künstler und dubiose Gestalten haben in den alten Gemäuern Spuren hinterlassen. Viel Abfall und unzählige Graffiti sind zwischen den Artefakten der Spinnerei zu finden. In einer besonders dunklen Halle stossen wir auf einen Altar aus Brettern sowie mehreren Sitzreihen unter einem hausähnlichen Konstrukt. Die zusammengeflickten Holzobjekte ergeben eine Art Kirche. Vor dem Altar finden wir einen Stuhl mit einem beschriebenen Dokument. Es sind Anweisungen eines Fetischisten, wie er erniedrigt werden will. Schwierig, sich auszumalen was sich hier für Szenen abgespielt haben. In einer anderen Halle riechen wir frische Farbe. Hier muss vor wenigen Tagen oder sogar Stunden ein Graffito entstanden sein.

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    Trotz dem vielen Dreck und der Angst vor Einstürzen wandern wir gebannt durch die Hallen. Hier werden wir Zeuge der alten Schweizer Textilindustrie. Erleben die Spuren des Vandalismus. Sehen Requisiten von Okkultismus und begreifen, was die Natur in dreissig Jahren mit einem Gebäude anstellen kann. Ein Denkmal mit vielen Gesichtern.

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    Am Anfang stand da das sperrige Fremdwort, das wir alle schon oft gehört haben, aber trotzdem nicht so recht wussten, was es für eine Bedeutung hat: Gentrifizierung. An dieser Stelle könnte ich den Wikipedia-Artikel über die Gentrifizierung kurz zusammenfassen und die Worte leicht abändern, sodass die Wissenslücke nicht allzu offensichtlich ist. Aber das ist nicht besonders spannend, zumal wir keine Ökonomen, Architekten, Demografen oder Stadtentwickler sind. (Bei Interesse schnell das Smartphone zu zücken und die Definition online lesen.)

    Stürzen wir uns also rein ins Thema. Denn Gentrifizierung geht uns alle etwas an. Es geht besonders auch uns, als Zeitung mit sehr kleinem Budget etwas an. Wir sind nämlich im letzten Jahr zweimal umgezogen. Zuerst waren wir im Karussell – eine Galerie und Bar mit befristetem Mietvertrag. Danach hat uns die Zitrone Asyl gewährt. Die Zitrone war ein grosses Haus mit Künstlerateliers. Auch die Autonome Schule Zürich war darin untergebracht. Eine Schule, welche hauptsächlich Leuten mit Migrationshintergrund und Sans-Papiers Bildung ermöglicht. Vor wenigen Wochen haben wir unsere Redaktionsräumlichkeiten ins Karl der Grosse verlegt. Ein Ort des politischen und kulturellen Diskurses. Unsere Anlässe werden von nun an oft im Karl stattfinden.

    Sogar eine der weltweit teuersten Einkaufsstrassen ist von der Gentrifizierung betroffen

    edito_2Wir als Redaktion haben kein Problem damit, öfters unseren Standort zu wechseln. Aber wir sind nicht die Einzigen, die von der Aufwertung, von Neubauten, von teuren Mieten in Bewegung gehalten werden. Problematischer wird es, wenn das Familien mit Kindern geschieht. Irgendwann müssen die Kinder ihre neu gewonnenen Freunde hinter sich lassen und in die Agglomeration ziehen, weil sich die Eltern die teure Wohnung in der Stadt nicht mehr leisten können. Das geschieht nicht nur mit Familien, mit Läden passiert das Gleiche. Was gab es für einen Aufschrei, als das Schweizer Warenhaus Manor bekannt gab, den gestiegenen Mietzins an der Bahnhofstrasse nicht mehr bezahlen zu können. Sogar eine der weltweit teuersten Einkaufsstrassen ist von der Gentrifizierung betroffen. Ein vergleichsweise kleines Kaufhaus soll weichen, eine internationale Kette rückt nach.

    Vielleicht sollte ich einfach einen Eintrag über die fehlende Durchmischung der Stadt machen.

    Unsere Rolle in der ganzen Entwicklung ist nicht unwichtig. Ich frage mich immer wieder, wie sich Jugendliche und Schüler im Starbucks einen überdimensionalen Kaffee leisten können. Und dass sie es können, steht aufgrund der besetzen Sitzmöglichkeiten ausser Frage. Und warum kostet der Kaffee im Café der viel gelobten Kalkbreite-Genossenschaft etwa gleichviel wie in jedem anderen Café? Und warum sitze ich trotzdem da und fördere den hohen Preis? Eigentlich sollte ich versuchen, die Stadt Zürich mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Das App «Züri wie neu» erlaubt es, Mängel in der Stadt zu melden. Von herumliegenden Matratzen über falsch parkierte Autos und kaputten Strassenlaternen kann Frau und Herr Zürcher die Stadt auf Mängel hinweisen. Vielleicht sollte ich einfach einen Eintrag über die fehlende Durchmischung der Stadt machen.

    Jetzt bitte ich euch, das Smaprtphone noch ein zweites Mal zu zücken und beim Lesen dieser Ausgabe gleich vorne zu lassen. Wir wollen die Texte unserer Zeitung mit vielen Leuten diskutieren, denn wir sind überzeugt, es gibt so viele Meinungen zur Gentrifizierung, wie es kritische Mitdenker gibt. Sag uns deine Meinung zu jedem Text mit dem jeweiligen Link.

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    Wir befinden uns in einer misslichen Lage. Plötzlich ist das Konto leer. Bis zum letzten Augenblick dachten wir, dass schaffen wir schon aus eigener Kraft. Nun sind wir auf Unterstützung angewiesen und hoffen, in unserer Rettungswoche genügend finanzielle Mittel aufzutreiben, um unsere leidenschaftliche Arbeit für dieperspektive fortsetzen zu können.

    Es ist schon länger kein Geheimnis mehr. Printprodukte haben es schwierig. Gerade unabhängige, nicht komerzielle Verlage und Zeitschriften mit kleiner Auflage bewegen sich oft auf dünnem Eis. Dabei herscht genau bei den kleinen Printprodukten eine enorme Vielfalt. Wir stellen einige der spannensten Magazin-Projekte vor:

     

    Dislike Magazin

    dislike

    Was schon viele auf Facebook gefordert haben, gibt es nun als Magazin: Dislike. Es ist nunmal nicht alles easy, fresh und chillig. Das dazugehörige Magazin sammelt Unmut und druckt diesen auf Papier. Es behandelt Trends und Tendenzen mit kritischem und künstlerischem Blickwinkel. Dislike ist ein Plädoyer für offline statt online und für durchdacht statt oberflächlich. 550 Exemplare wurden von der ersten und bisher einzigen Ausgabe dieses Magazins gedruckt. Selbstverständlich ist Dislike nicht auf Facebook zu finden, aber ohne Webseite kommt auch dieses Prinmagazin nicht aus:

    dislikemagazin.ch

     

    delirium

    delirium

    Das Delirium gehört zu den Frischlingen in der schweizer Heftli-Landschaft. Vor wenigen Tagen ist die dritte Ausgabe erschienen. Die Publikation für Literatur und Literaturkritik hat sich ein spannendes Konzept ausgedacht: Jeder Text muss auf einen Beitrag aus einer früheren Version Bezug nehmen. So soll eine Auseinandersetzung über mehrere Ausgaben mit einem Thema ermöglicht werden. Das delirium erscheint halbjährlich mit 500 gedruckten Exemplaren.

    delirium-magazin.ch

     

    Quottom

    firtig

    Heft ist für das Quottom fast untertrieben. Mit fast einem Kilogramm und 120 Seiten ist das Magazin eine Wucht. Mit starkem Fokus auf Design und hohe Druckqualität kommt das noch junge Magazin sehr professionell daher. Die Inhalte kommen von Designstudenten und Mittzwanzigern die gerne schreiben. Als spezielle Idee nähert sich die Redaktion zwei Leitthemen von je einer Heftseite her. In der Mitte werden die beiden Themen in einem Leitartikel verbunden. So geschehen in der aktuellen, Ausgabe Nr. 4 mit Heimat und Wahnsinn. Das Magazin mit einer Auflage von 4000 Expmplaren ist neben vielen Designshops auch in Kiosk Verkaufsstellen erhältlich.

    quottom.ch

     

    FIN Magazin

    fin

    Das Cover der zweitern FIN Ausgabe ist im Siebdruckverfahren produziert. Die Seiten vom FIN Magazin liegen wuderbar in der Hand. Ein Magazin aus Bern, dass sich mit allen druckbaren Disziplinen befasst. Starke Fotografien und interessante Gedichte finden sich im FIN Magazin. Mit bisher zwei Ausgaben gehört das FIN zu den Kücken in der Magazinlandschaft.

    f-i-n.ch

     

    Tink.ch

    tink

    Wie der Name bereits vermuten lässt, Tink.ch ist in erster Linie eine Online-Platform. Junge und angehende Journalisten sammeln bei Tink.ch Erfahrungen und bekommen dafür detaillierte Rückmeldungen zu ihren Beiträgen. Tink.ch bringt seit 2010 auch ein Printmagazin heraus. Viermal pro Jahr mit einer Auflage von 1000 Exemplaren erscheint das Magazin. Die Ausgaben erscheinen zu je einem Schwerpunktthema. Einzigartig ist Tink.ch durch ihren jugendlichen Blickwinkel und mit der Abdeckung einer enormen journalistischen Vielfalt bis in die Romandie und das Tessin.

    tink.ch

     

    Bierglaslyri

    bierglaslyrik

     

    Bierglaslyrik gehört zu den ganz Kleinen. Mit einer offenen Redaktion und einem «weltbewegenden» Thema ist das Berner Magazin unserer Publikation ähnlich. Bierglaslyrik wird kostenlos zum Download angeboten und zählt mit einer gedruckten Auflage von 150 Exemplaren nur ganz knapp zu den Printprodukten. Illustrationen und Texte kommen in schlichtem Layout und schwarz weiss daher. Klassische Werbung findet man im Beizenheftli nicht. Dafür gibt es gesponserte «Bierhumpen» im Heft. Eine kreative Alternative zu klassischen Werbeformen.

    bierglaslyrik.ch

     

    Saiten

    saiten

    Das Ostschweizer Kulturmagazin Saiten tanzt hier ein wenig aus der Reihe. Mit bereits 238 Ausgaben kann das Magazin auf eine vergleichsweise lange Geschichte zurückschauen. Die feste Redaktion bekommt einen Kollektivlohn. Saiten ist zwar kein ehrenamtliches Projekt, aber das Saiten arbeitet nicht gewinnorientiert. In diese Auswahl haben wir das Saiten nicht nur wegen der hochstehenden journalistischen Leistung genommen. Auch dieses Magazin ist von finanziellen Schwierigkeiten nicht gefeilt. Bis Ende 2014 benötigt das Saiten 1000 neue Mitglieder. Die Auflage vom Saiten beträgt 5600 Exemplare.

    saiten.ch

     

    Konverter

    konvert

    Ist das noch eine Publikation? Ein paar Jungs schreiben Texte und drucken diese in einer Garage aus. Zwei, drei Heftklammern und fertig ist das Heft von Konverter.  Versteht sich fast von selbst, dass das Heft in losen Zeitabständen erscheint und keine fixe Auflage hat. Der Webauftritt vom Konverter erinnert stark an einen Web 1.0 Blog. Das ganze hat so ziemlich viel Charme und kommt geheimnisvoll daher. Wo man das Heft findet? Keine Ahnung. Wir haben es einmal in die Redaktion geliefert bekommen. Von einem Konverter persönlich.

    konverter.wordpress.com

    Lasso

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    Die Basler Zeitschrift Lasso beschäftigt sich mit Kunst und Literatur. Ähnlich wie bei uns steht das Mitwirken allen Personen offen. Die Redaktion veröffentlicht das Thema und Beiträge können eingesendet werden.  Anders als bei uns müssen die Beiträge beim Lasso Magazin mit dem Thema zu tun haben. Vom Lasso Magazin gibt es bis dato sechs Ausgaben.

    lassomagazin.ch

     

    zweikommasieben

    zweikommasieben

    Ein Heft ürber die Gegenwart und die Luzerner Klub Kultur. Mit einer Auflage vom 1000 Exemplaren ist das zweikommasieben in verschiedenen Shops erhältlich. Auffällig ist die Nähe zur englischen Sprache, so ist die aktuelle Nr. 9 zweisprachig erschienen.

    zweikommasieben.ch

     

    KOLT

    kolt

    Das Kulturmagazin von Olten wirkt schön schlicht gestaltet. Mit grosszügig gelayouteten Reportagen kommt das KOLT daher. Die Auflage beträgt 1500 Exemplare. Mit bereits 56 Ausgaben gehört das KOLT in dieser Liste schon zu den alten Hasen. Uns ist die viele Werbung im Magazin ins Auge gestochen. Gut für die Verleger, weniger ansprechend für die Leser.

    kolt.ch

     

    Coucou

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    Im Coucou liest man alles über die Kultur und das Stadtleben in Winterthur. Die Macher verstehen das Heft als Brücke zwischen Hoch-, Populär- und Alternativkultur. Das Magazin erscheint zehn mal pro Jahr und hat eine Auflage von 1500 Exemplaren.

    coucoumagazin.ch

     

    Zalle

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    Zalle ist ein Berner Magazin, welches sich Subjektivität auf die Flagge schreibt. Mit einer Mischung aus Literatur und Hintergrundtexten kommt das Magazin zeitlos daher. Zalle verfolgt eine relativ strikte offline Strategie. Das Heft erscheint jedes Quartal mit 700 Druckexemplaren.

    zalle.ch

     

     

    Zu uns: dieperspektive

     

    Wie auch alle der vorgestellten Print-Magazine erscheint dieperspektive von einem unabhängigen Verlag. Wir sind sieben Personen, die unentgeldliche mit viel Herzblut einen bis mehrere Tage die Woche an dieperspektive arbeiten. Vom Layout über den Verkauf der Werbefläche, wir machen alles selber. Auch das Verteilen der Zeitung wird neben dem Postversand von uns mit Velo und ÖV bewerkstelligt. Neben den Inserateinnahmen und Abonnementsbeiträgen bezahlen wir den Druck von dieperspektive mit Unterstützung von Stiftungen. Um dieperspektive weiter am Leben zu erhalten, benötigen wir 7000 Franken um unser Loch in der Kasse zu Stopfen.

    Vielen Dank für deine Mithilfe.

     

    Kennst du weitere spannende Print-Magazine aus der Schweiz?  Wir freuen uns über alle Hinweise und vervolständigen die Liste mit deinem Input. Einfach unten einen Kommentar hinterlassen.

    (aktualisiert am: 08.10: Neu mit dem zweikommasieben Magazin. Danke Nik Panique/ 09.10: Zusätzlich mit dem KOLT Magazin/13.10 Auch das Coucou Magazin und Zalle gehören definitiv auf diese Liste)

     

    Beim Duell stehen sich in jeder Ausgabe Peter Werder und ein Mitglied der Redaktion zum aktuellen Thema der Ausgabe gegenüber. Heute: über Apps, Wifi und Weltverbesserer.

    Peter Werder

    Wenn das Leben eine App ist, kommt von Ihnen sicher bald die Forderung, Apps dürften nichts kosten.

    Conradin Zellweger

    Apps dürfen von mir aus was kosten. Das ist ein recht grosser Markt geworden. Vielleicht der mit der höchsten Wachstumsquote überhaupt.

    Peter Werder

    Ich bin grad irritiert: Das Wort Markt aus Ihrer Feder – haben Sie das Lager gewechselt? Oder haben Sie einfach das Wort Regulierung vergessen?

    Conradin Zellweger

    Wissen sie Herr Werder: Erstens schreibe ich nicht mit der Feder, sondern bin mit dem 10-Fingersystem aufgewachsen. Zweitens bin ich durchaus der Meinung, dass Medien- und Kommunikationsangebote etwas kosten dürfen. Die SBB-App ist übrigens mein Favorit. Ich kaufe mittlerweile alle Billete über diese App. Irgendwie komisch, dass es im HB Zürich wie auch im Flughafen Zürich kein gratis WLAN gibt.

    Würde ja nicht gehen, dass nur die Reichen atmen dürfen.

    Peter Werder

    Ah – jetzt hab ich Sie! Wenn das Leben schon eine App ist, muss Wifi überall gratis sein. Das ist dann wie die Luft zum Atmen. Korrekt? Würde ja nicht gehen, dass nur die Reichen atmen dürfen.

    Conradin Zellweger

    Ja. Gratis Wifi finde ich fortschrittlich und wichtig. Ich bezahle gut 60 Franken monatlich für mein Flatrate-Internet. Das ist doch ein ziemlich happiger Betrag, vor allem für jemanden, der mit weniger als dem Mindestlohn die Familie durchbringen muss.

    Peter Werder

    Stimmt. Das ist happig. Hab dazu grad einen Artikel gelesen. Titel: First World Problems.

    Conradin Zellweger

    Errungenschaften wie Wikipedia, die vollkommen gratis sind (für den kompletten Brockhaus hätte wohl ein Monatslohn von mir nicht gereicht), sind ein kollektives Gut. Geschrieben von der Community und gratis nutzbar für die Community. Die einzigen, die an Wikipedia verdienen, sind Swisscom & Co.

    Ich fordere gratis Wifi. Schweizweit, Internet für alle.

    Peter Werder

    Finde ich super, dass das alles gratis ist. Das geht aber auch nur, weil Leute dafür gratis arbeiten. Wenn Sie also Free Wifi wollen, müssen Sie Leute finden, die das planen, umsetzen, in Betrieb halten, die Geräte liefern – und das alles gratis. Tun Sie doch mal was Gutes und stellen Sie sowas auf die Beine – statt immer nur Umverteilung zu fordern.

    Conradin Zellweger

    Gut. Ganz konkret: Ich fordere gratis Wifi. Schweizweit, Internet für alle. Internet ist DIE Errungenschaft für Informationsgleichheit und längerfristig auch für Chancengleichheit. Ein Programmierer aus einem chinesischen Kaff hat die gleichen Chancen wie wir in der Schweiz. Vorausgesetzt, er hat Internet. Und da diese Gleichheit noch nicht einmal in der Schweiz herrscht, müssen wir mit dem gratis Zugang beginnen.

    Peter Werder

    Information ist nicht gleich Wissen. Zu meinen, mit dem Zugang zu Information bestehe Chancengleichheit im Rahmen der Wissensaufnahme, ist ein Irrtum. Aber mal abgesehen davon: Was tun Sie dafür? Besser gesagt – mit Ihren eigenen Worten: Wenn es Sie stört, wieso tun Sie nichts dagegen? Wer setzt es um – gratis?

    Wie wär’s mit einem freiwilligen Internet-für-alle-Batzen aus der SP-Kasse?

    Conradin Zellweger

    Das Argument mit der teuren Logistik zählt nicht. Wir subvenitionieren zwar ein Glasfasernetz, aber Internet steht nicht allen zur Verfügung. Das finde ich unlogisch. Und immerhin besteht mehr Chancengleichheit als bei ungleichem Informationszugang. Nur, weils danach nicht 100% gerecht ist, wollen wir doch nicht auf dem momentanen Stand bleiben.

    Peter Werder

    Lustig – sobald es konkret wird, sobald Sie und Ihre Weltverbessererkollegen sich die Hände schmutzig machen müssen, sobald Sie nicht einfach den andern was wegnehmen können, sondern selber arbeiten müssen, wird es vage. Ich frage nochmals: Wer soll das Free Wifi gratis erstellen? Wieso gründen Sie nicht ein WLAN-Heks, eine Wifi-Glückskette? Wie wär’s mit einem freiwilligen Internet-für-alle-Batzen aus der SP-Kasse?

    Conradin Zellweger

    Sie können sich schon über Glückskette, Gutmenschen & Co lustig machen. Immerhin versuchen die etwas umzuverteilen. Sie hingegen klammern sich nur an die bestehende Ordnung und haben das Gefühl, Sie seien der einzige, der arbeite. Mein Beitrag an das Ganze: Ich fordere immerhin freies Internet und ich will nicht bei dieser veralteten, unfairen Verteilung bleiben, wo Begütete Zugang haben und die anderen nicht. Ich könnte eine Volksinitiative dazu starten. Sie würden sicherlich unterschreiben. Habe ich recht?

    Solche Aussagen zeigen doch nur, wie weit weg Sie schon von der Realität sind.

    Peter Werder

    Nein, natürlich nicht. Was heisst denn Begütete? Meinen Sie damit Menschen, die voller Ehrgeiz und mit Interesse durchs Leben gehen und dabei noch viel verdienen? Wohl kaum. Sie denken immer noch, wer mehr als 5000 Franken pro Monat verdiene, sei ein Räuber, dem man möglichst viel wegnehmen und den andern geben müsse. Es gibt in der ersten Welt eine gewisse Freiheit, sich für ein Lebensmodell zu entscheiden. Da soll man auch die Konsequenzen tragen. Wem es wichtig ist, der kann sich ein Wifi leisten. Solange Leute, die eine Prämienverbilligung erhalten, sich eine Zusatzversicherung leisten können, sehe ich in unserem Land keine systemischen Probleme. Und wenn Sie Free-Wifi wollen, dann gründen Sie einen Verein. Seien Sie kreativ und verteilen Sie nicht einfach alles um. Umverteilung ist Raub in sozialdemokratischem Mänteli. Dauerbesorgte Gesichter, die naiv und mit schlechtem Gewissen meinen, die Ethik für sich gepachtet zu haben.

    Conradin Zellweger

    Sie glauben wirklich, dass Leute, die unter 5000 Franken verdienen, einfach nicht mehr tun wollen? Solche Aussagen zeigen doch nur, wie weit weg Sie schon von der Realität sind. Irgendwo in ihren teuren Massanzügen am Bürotisch sitzend und nicht mal wissend, wie viel Sie für Ihren Internetanschluss bezahlen. Aber wechseln wir das Thema: In Estland sind 90 Prozent des Landes mit gratis Internet abgedeckt. Versuchen wir doch auch mal, eine fortschrittliche Lösung zu finden, die weiter als der eigene Gartenzaun reicht.

    Peter Werder

    In Estland haben Sie eine enorme Ballung von Armut in den ländlichen Regionen und von Wohlstand in den Städten. Estland ist wahrlich ein schlechtes Beispiel für Chancengleichheit. Aber abgesehen davon: Ich gehe nicht davon aus, dass sich alle verwirklichen können – dass alle soviel verdienen, wie sie wollen. Und ich gehe genauso nicht davon aus, dass alle, die viel verdienen, ungerechterweise viel verdienen. Mein Prinzip ist ein anderes als Ihres, deswegen will ich nicht noch mehr Umverteilung. Es genügt! Wir verteilen schon genug um. Deswegen nochmals: Tun Sie was, wenn Sie Free-Wifi wollen, und machen Sie nicht einfach die hohle Hand.

     

    Text: Conradin Zellweger und
    Dr. Peter Werder ist bürgerlicher Politiker, Dozent an der Universität Zürich und leitet die Kommunikation eines Konzerns im Gesundheitswesen.

     

    Beim Duell stehen sich in jeder Ausgabe Peter Werder und ein Mitglied der Redaktion zum Thema der Ausgabe (oder zu sonst einem aktuellen Thema) gegenüber.

    Diesmal: Der linke Conradin und der rechte Peter streiten über Müll.

    Conradin Zellweger
    Lassen Sie mich eine These aufstellen. Wenn es um ein neues AKW geht, sind Sie der erste, der dafür ist. Wenn es darum geht mit staatlichen Geldern ein neues Endlager mit zu bezahlen, dann hört der Spass für Sie auf. Richtig?

    Peter Werder
    Komische Verknüpfung zwischen energiepolitischer Frage und der Finanzierung der Energieversorgung.
    Sagen wir es so: Ich würde sofort neben einem neuen AKW wohnen, genauso würde ich es zulassen, wenn neben mir ein Endlager gebaut würde. Die alten AKWs möglichst schnell abschalten, möglichst schnell ein Neues bauen. Das wär es eher.

    CZ
    Neues bauen? Meinen Sie nicht wir könnten auch mal alternative Energiequellen subventionieren?

    PW
    Gute Idee! Und wenn es nicht reicht, machen wir doch einfach beides.
    Ganz unverkrampft und unideologisch. Plagt Sie wieder Ihr schlechtes Gewissen?

    CZ
    Ja. Das schlechte Gewissen plagt mich. Auch wenn ich diese hübschen Sünnelikleber in meiner Küche habe. Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer sind für AKWs. Also muss auch ich Verantwortung dafür tragen. So funktioniert es nun mal bei uns.
    Ja, unverkrampft ist gut. Aber wenn die Gefahren bei AKWs objektiv extrem viel höher als bei alternativen Energiequellen sind, dann ist es für mich unbegreiflich dass man für AKWs sein kann, wenn es auch anders geht. Ein solches rein ökonomisches Denken kotzt mich an.
    Ausserdem bin ich überzeugt, dass die Langzeitkosten höher sind. Der Müll bleibt Millionen von Jahren gefährlich. Wer weiss schon, was dann los ist.

    PW
    Sie sind gegen Atomkraft – das überrascht mich jetzt vollkommen.
    Spass beiseite.
    Links aussen ist man einfach nicht konsequent. Ich mach Ihnen ein paar Beispiele.
    Sie wollen keine neuen Strassen, aber den öV fördern. Gleichzeitig wollen Sie die Energieversorgung nicht ausbauen.
    Sie waren gegen die Masseneinwanderungsinitiative (wie ich), wollen die Strassen nicht ausbauen, das verdichtete Bauen nicht fördern, keinen Zürcher Seetunnel, betreiben Heimatschutz mit alten Häusern (die Sie dann besetzen, wenn sie mal abgerissen werden sollen), die man mit neuen, hohen Gebäuden ersetzen könnte, die mehr Platz bieten und energetisch sinnvoll sind.

    CZ
    Ja wenn ein Haus leer steht und noch keine Baubewilligung da ist, warum nicht besetzen.
    Wenn ein Nachfolgeprojekt da ist – sehr gut. Wenn es noch Minergie ECO ist, umso besser!
    Ich glaube den Besetzern tut es sowieso besser wenn sie alle 1,5 Jahre umziehen. Das löst einige Hygiene-Probleme von alleine.

    PW
    Die linkssozialromantische Realität sieht leider anders aus. Die Spiesser von heute. In den 80er Jahren aus Protest auf den Zürcher Tramgeleisen einen Joint gedreht und geraucht – heute für Reiheneinfamilienhüsli, Heimatschutz und Rauchverbote. Einfach nur bünzlig.
    Abgesehen davon scheinen Sie schon in jungen Jahren dem neuen Moralterror verfallen zu sein – zwischen CO2-Kompensation und dem dauerbesorgten Gesichtsausdruck noch etwas Lebensfreude? Klar – beim Besetzen. Da spielen Sie dann ein bisschen Fünf Freunde. So guet!

    CZ
    Seetunnel! Ich bin dabei! Skyline in Altstetten! Sowieso!

    PW
    Das glaube ich erst, wenn Sie mal für die AL oder die SP in der politischen Arena an entsprechender Stelle den Finger heben.
    In die Höhe bauen – das würde uns was bringen. Ein Seetunnel würde die Innenstadt entlasten. Aber nein: Die Linken zählen Parkplätze. Auch ein Weg zum Orgasmus.

    CZ
    Ich freue mich jedes Mal wenn wieder ein Hochhaus neben dem Primetower in Zeitlupentempo entsteht. (Warum sind wir Schweizer eigentlich so langsam im Bauen? Gibt es da Vorschriften?)

    PW
    Ich kann Ihnen sagen, wieso es so langsam geht: Weil Linke wie Sie immer Einsprachen machen.

    CZ
    Glaube ich nicht. Linke wohnen nicht im Primetower und klagen sicher nicht gegen einen Secondtower. Das müssen Ihresgleichen oder Banker sein, die sich die teuer erkaufte Aussicht nicht nehmen lassen wollen.

    PW
    Wer hat das Stadion verhindert? Ich sage nur: Schattenwurf und Arbeiterhüsli. Aber lassen wir das. Sie wollten ja über den Müll sprechen.
    Was tun denn Sie dagegen?

    CZ
    Ich gehe zu McDonald’s und bastle mir dann aus den Tüten und Kartonboxen neue Kleider.

    PW
    Irgendwie so stelle ich mir die Mitgliederversammlung der Gender-Study-SP-Gruppe im Kreis 4 vor.

    CZ
    Nei,n Spass beiseite. Ich versuche eigenverantwortlich zu sein. Da staunen Sie. Nicht wahr?

    PW
    Eigenverantwortlich – ganz ohne Staat? Das glaube ich nicht.

    CZ
    Aber leider ertappe auch ich mich (als armer Studi) wie ich meine Einkäufe in 10 Gratis-Plastiktütchen vom Coop stopfe. Die dann auf dem Nachhauseweg reissen.

    PW
    Uiiii, wirklich? Wieso pflanzen Sie sich Ihre Nahrung nicht selber an?

    CZ
    Wegen dem schattigen Balkon. Nebenan wurde hoch gebaut.

    PW
    Oh, das tut mir leid. Aber nutzen Sie doch Ihre Indoor-Lampen auch für Kartoffeln.

    CZ
    Nein, eine Säckligebühr für Plastiksäcke geht mir auch zu weit. Aber wie will man nachhaltig leben wenn einem überall Verpackung und Tragtaschen nachgeworfen werden?

    Ich weiss es auch nicht. Aber ich bin offen für Lösungen. Es gibt da zum Beispiel kompostierbare Säcklein. Nur sind die teurer. Dann gibt es halt eine Minigebühr und dafür müssen wir nicht auf den Luxus von Plastiksäckchen verzichten.

    PW
    Nachhaltig heisst, dass man nicht mehr verbraucht, als nachwächst bzw. nachproduziert werden kann. Sie meinen mit nachhaltig ein wackeliges ethisches Konzept, das die Begriffe langfristig mit korrekt vermischt und dabei auch noch die Autorität für sich in Anspruch nimmt ohne empirische Grundlage zu entscheiden, was korrekt ist.

     

    Text: Dr. Peter Werder ist bürgerlicher Politiker, Dozent an der Universität Zürich und leitet die Kommunikation eines Konzerns im Gesundheitswesen.

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    Wie langweilig klingt denn die Thematik dieses Filmes: Es geht um einen Aushilfslehrer an einer amerikanischen Highschool der während drei Wochen eine Klasse unterrichtet. Nicht überzeugt? Wären wir auch nicht! Aber es kommt ganz krass.

    Der Aushilfslehrer (Henry Barthes) scheint nichts aus der Ruhe zu bringen. Eigentlich die perfekten Voraussetzungen um die rabiaten Kinder an den amerikanischen Highschools Meister zu werden. Das scheint Henry auch relativ gut zu gelingen. Nur eine Schülerin durchschaut Henry. Auf den Fotos die sie heimlich von ihrem Lehrer schiesst, zeugt Henrys Gesichtsausdruck von tiefer Traurigkeit. Aber da die Schülerin als übergewichtiger Teenager selber grösste Schwierigkeiten in der Klasse hat, geschieht erstmal nichts. Sie bastelt Collagen mit den Fotos von Henry und lebt unter den ständigen Mobbing-Attacken ihrer Klassenkameraden.

    I watch him around School an he always seems so sad

    Auf dem Heimweg wird Henry Zeuge wie eine minderjährige Prostituierte um ihr Geld gebracht wird. Er bekommt Mitleid und bietet ihr einen Platz zum Schlafen an. Es entwickelt sich eine facettenreiche, platonische Beziehung zwischen der Prostituierten und Henry.

    Der Himmel verdunkelt sich

    Wie es das Meisterwerk Amerikan History X von Regisseur Tony Kaye vermuten lässt, bleibt es auch bei Detachment nicht bei Mobbing und Prostitution. Auch die komisch anmutende Konstellation von Henry mit den zwei hilfsbedürftigen Teenager lässt erahnen, dass bald ein Gewitter losgehen wird…

    Hier nur soviel. Eine der zwei Beziehungen endet auf tragischste Weise. Die andere Beziehung findet beinahe ein Happy End, wie wir es von Regisseur Kaye kaum erwartet hätten.

    The worst thing about this job is that no one says thank you

    Mit düsteren Bildern wird die Geschichte immer packender und lässt einem am Ende mit einem Gefühl der totalen Leere zurück. Wie kaputt ist denn unsere Welt bloss – hallt es am Ende des Dramas durch den Kopf. Erstaunlich ist es, dass es Detachment gelingt ein Gefühl zu erzeugen, dass wir sonst nur von extremen Gewaltdarstellungen (wie auch in American Histroy X) kennen, aber beinahe ohne Gewalt auskommt. Das Ganze geschieht auf einer sehr subtilen Ebene, was den Film für „Normalsterbliche“ extrem greifbar macht.

    Warum hat es nicht ganz für fünf Sterne gereicht?

    Für die Geschichte gibt es völlig klar maximale Punktzahl! Eine schlichte Geschichte mit wenigen Schauplätzen und Ortswechseln und dafür verdamt Facettenreich. Auf die zwischenmenschlichen Beziehungen wird in unglaublicher Tiefe eingegangen. Absolut tragisch mit wenig Gebrüll und Gewallt.

    Nach dem länger ausbleibenden Erfolg nach American History X gelingt es Kaye mit einem wunderschön produzierten Film an seinen Erfolg von 1998 anzuknüpfen. Einzig die hastigen Einblendungen aus Henrys Vergangenheit brechen die Ruhe im Film ein wenig.

    Die Schauspieler von Detachment sind nicht klassische Schönheiten, aber passen gut in die Melancholie und überzeugen durch ihre Natürlichkeit. Mit dem immer leicht traurigen Gesichtsausdruck brilliert besonders Adrien Brody in der Hauptrolle.

    Die Musik im Film bleibt eher im Hintergrund und das ist auch gut so. Viel zu schön sind die zarten Dialoge zwischen dem Lehrer und den zum Teil wütenden und zum Teil traurigen Schülern.

    Adrien Brody als Henry

    Adrien Brody als Henry

    Fazit

    Das perfekte Film-Drama für alle, die sich nicht mit zerbrochenen Liebesbeziehungen in Filmen zufrieden geben, aber dennoch nicht auf rohe Gewalt stehen.

    Wenn du die folgenden Filme magst, ist Detachment genau dein Ding:

    • Melancolia
    • Shame
    • 21 gramm

     

    Trailer

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    das boot ist voll1942

    Tunnels werden zugemauert. Brücken mit Stacheldraht versehen. Nazisoldaten kontrollieren die Züge, welche in die Schweiz einfahren. Wie durch ein Wunder gelangt ein kleines Grüppchen von sechs flüchtigen Juden mithilfe eines Deutschen Deserteurs in die Schweiz. Nach anfänglichem Wohlergehen auf einem kleinen Bauernhof wendet sich das Blatt. Die Bewohner des Dorfes sprechen hinter vorgehaltener Hand darüber, dass halt nicht alle von «diesen» in der Schweiz Platz haben. Die Bestimmungen für Flüchtlinge um in der Schweiz aufgenommen zu werden, sind hart.

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    Meister der Klischees

    Martin Parr fängt mit seiner Kamera Klischees ein wie kein Zweiter! Unter anderem hat er auch die Schweizer fotografiert. Würste, Pelze, Gold und Japaner scheint es bei uns wie Sand am Meer zu geben!

    Aber auch die nötige Portion an Selbstironie fehlt bei Parr nicht. Seine Selbstportraits erinnern an Touri-Fötteli der übleren Art!

    Martin Parr ist bis Ende Jahr im Museum für Gestaltung zu sehen.