Finden Sie die besten Viagra auf https://bestellen2.viagraonlineplus.ch/ Website. Schnelle Lieferung, Privatsphäre.
Home Authors Artikel vondieperspektive

dieperspektive

254 ARTIKEL 10 KOMMENTARE
Hoi ich bin dieperspektive. Ich stelle hier alle Texte von dir und sonstigen Schreiberlingen auf die Webseite. Auch Anlässe und wichtige Infos stelle ich online. Wenn du also mal einen Text für mich hast: artikel@dieperspektive.ch. Wenns es etwas Pressantes ist, erreichst du mich am besten über Facebook oder Twitter. Im Newsletter zeige ich dir immer die wichtigen Dinge, die um uns so geschehen. Dafür kannst du dich im Hauptmenü unter Abonnieren eintragen. Dort kannst du auch unsere Printausgabe bestellen.

0

Alle Regeln gelten ausnahmslos für beide Geschlechter

 

  1. Jeder Quadratzentimeter kostet. Wenn du nicht dafür bezahlst, hast du kein Recht ihn zu betreten / zu benutzen.
  2. Ämtchen und Putzkalender sind nur Vorschläge. Und wer vor 14:00 Uhr staubsaugt ist ein Arschloch.
  3. Nur weil man zusammen kocht, muss man nicht zusammen essen.
  4. Ehre deinen Mitbewohner. Du wirst ihn vermissen, wenn du morgens Heim kommst und du deinen Schlüssel verloren hast.
  5. Wenn Blut in der Badewanne klebt, leck es nicht auf und fass es nicht an.
  6. Wenn etwas niemanden gehört, gehört es dir.
  7. Falls eine zu laute WG-Party stattfindet, du aber nicht teilnehmen kannst, reklamiere erst am nächsten Tag. Niemand darf erfahren, was für ein Schlappschwanz du bist.
  1. Wenn die Toilette länger als fünf Minuten besetzt ist, tritt das ungeschriebene Recht in Kraft, ins Waschbecken zu urinieren.
  2. Über One-Night-Stands wird nicht geredet. Aber es absolut legitim etwas lauter zu sein und die Mitbewohner zu wecken, sodass diese merken, dass du nicht alleine warst.
  3. Eine gute WG ist wie eine schlechte Ehe. Sie dient einzig und allein der Wirtschaftlichkeit. Alles Private wird ausserhalb erledigt.

 

Text: Domus Lopus

0

Meinem Ostblockpapa, gesegnet mit einem Übermass an Einfühlungsvermögen, verschlägt so schnell niemand die Sprache. Überlasst das ruhig seinem einzigen pubertierenden Kind. Als ich fünfzehn war oder so und ihm eröffnete, ich würde dann wenn alles planmässig lauft aufs Studium hin in eine Weegee ziehn, schluckte er erstmal leer und nickte dann freundlich. Dann wechselte er das Thema. Gleichentags etwas später, Apero mit ma mère. Ich hätte meinem Vater also schon einen Schrecken eingejagt, erzählt sie lachend. Wie hatte ich denn das geschafft? Nun, sagte sie und nahm einen Schluck Chardonnay, für einen Exmusiker aus einem sowjetischen Satellitenstaat mutet die Vorstellung, dass junge Frischmündige in verlotterten Gehäusen irgendwo inmitten einer Grossstadt wie Zürich zusammengepfercht in ihrem eigenen Dreck leben und sich gegenseitig die Spritze setzen halt etwas befremdlich an. Eine Überdosis westlicher Jugendverwahrlosung. Ich fragte, ob meine Eltern meinen, ich hätte irgendwie mit böseren Drogen was am Hut, als ich sonst schon hatte. Meine Mutter lachte. «Nein Nein, keine Sorge, ich hab ihn beruhigt, er weiss es halt nicht besser. Ich hab ihm erklärt dass das heutzutage absolut normal und gang und gäbe ist. Dass deine Onkel alle auch mal in Weegees gewohnt haben und das zu einer Zeit, als die Stadt wirklich noch gefährlich war. Kein Problem also. Er wird sich dran gewöhnen. Abgesehn davon ist es dein Körper, mach damit was du Lust hast.»


Meine erste Weegee bezog ich im Sommer Zwozehn in einem wunderschönen Zweifamilienhaus im Grünen zwischen Regensbergbrücke und Bad Allenmoos. Zu fünft waren wir, jung, schön, topmotiviert und so lebenslustig, wie man das halt mit knapp zwanzig noch ist. Und ach, die Freuden des Zusammenlebens. Wer hat das Bad schon wieder nicht geputzt? Die Pfanne ist noch nicht sauber, Simeon. Jetzt friss nicht immer Cornflakes vor dem Znacht! Unser Staubsauger ist kaputt. Kannst du eigentlich nie genug saufen? Das ganze Bad ist verkotzt! Das war nicht ich, das war die, die ich abgeschleppt habe. Der bin ich im Suff etwas zu ungelenk auf dem Magen abgestützt, da musste halt was raus. Aber sie hat mir gesagt sie hätte alles aufgewischt! Kann man denn niemandem mehr vertrauen? Fick mal leiser, die arme Frau ist doch sicher schon ganz wund. Du hast unser letztes Gras weggeraucht? Spinnst du? Obligatorische Weegee-Party selbstverständlich legendär, mehrere Floors auf allen Etagen, voll besetzter Balkon, Lärmklage und eine zentimeterdicke Schicht Alkohol und Sockenfusel auf dem Wohnzimmerboden, als dann alles vorbei war.

Nichts hält ewig und manches nicht lange. So kam es, dass ich im Sommer darauf gegangen wurde. Der historischen Harmonie verpflichtet bezeichne ich das jetzt mal als „in gegenseitigem Einverständnis“. Hallo Leonie und Nina, ich mag euch trotzdem. Dank unvorhergesehner Loyalität und Kameradschaft eines meiner Nächsten bezog ich dann meine zweite Weegee, diesmal richtig in der Stadt. Druckste ich vorher rum und sagte, ich wohne an der Grenze zum Kreis Sechs, hauste ich plötzlich im Dickicht des flachen Teils von Zürich, und zwar exakt an der Grenze zwischen den beiden besten Kreisen, drei und vier. Nix JuWo, nix Gnossi, nix Sozialwohnung. Eine richtige, echte, private Verwaltung gönnte uns eines ihrer unzähligen Appartements. Die erste Konfrontation liess nicht lange auf sich warten. Wir zwangen die Verwaltung, die marode, leicht schimmlige dunkelbraune Küche herauszureissen und durch eine neue zu ersetzen. Der russische Gastarbeiter, der uns das Ikea-Schmuckstück dann installierte, sprach zwar kein Deutsch, dafür aber seine Vorgesetzten, und ich hab bis heute nie so schnell jemanden ein Bier trinken sehen wie den sächsischen Monteur. Zwei Schlücke und zack, leer war die Dose. Der Mietzins stieg, die Vöglein pfiffen und ich gehörte nun zu den echt coolen Säcken, die in Zigidistanz zum Idaplatz wohnen.

Im ersten Jahr geschah etwas spannendes: Der Zufall namens Arbeitsmarkt zwang uns alle drei in Jobs, die vorwiegend elf Uhr nachts begannen. Verrückt, anstatt sich morgens beim Schlipsbinden um die Kanne Bialetti zu streiten, begegnet man sich spätabends im Halblicht der Küche mehr oder weniger ausgangsparat. Noch ein letztes Bier, Augentropfen rein, und ab die Miete verdienen. Ich kam meistens als letzter nach Hause, als die Sonne oft schon aufgegangen war. Manchmal war ich ausgesperrt, musste die Besoffenen also nach ihren ersten zwei Stunden aus dem Schlaf klingeln, wodurch ich mir immer, ohne eine Ausnahme, böse Blicke einhandelte. Aber konnte ich irgendwie noch verstehen, ich hätte ja auch einfach im Treppenhaus schlafen können. Nichts Streitwürdiges, nicht das. Was passiert eigentlich, wenn man streitet? Lässt man sich in eine verbale Auseinandersetzung verwickeln, degeneriert man zu einer Vorstufe des zivilisierten Menschen. Vernunft und Zen weichen Geltungsdrang und Lautstärkekampf. Und Gott, haben wir gestritten. Zeitweise hätte man unserer Wohnung eine bipolare Störung diagnostizieren können. Tranken wir eines Abends bis drei Uhr zu guter bis sehr guter Musik und fühlten uns wie die Bolschewiken im November, multiplizierten sich anderntags die kleinen Befindlichkeiten, vom Kater befeuert, zu handfesten Kriegen. Mixt man dann noch etwaige etwas «schwierige» Beziehungsverhältnisse in die Suppe, so konnte man sicher sein, dass es nicht langweilig wurde, öffnete man unsere etwas quietschige Eingangstüre. Im schlimmsten Fall gab es immer noch das Meiers, das hat ja immer bis Vier auf. Dreimal umfallen und ich lieg drin. Genau wegen so Institutionen liebe ich es, Städter zu sein. Und als Student leistet man sich meistens kein eigenes Gehäuse, sondern teilt es schwesterlich mit anderen. Auch wenn ich immer noch der Meinung bin, vorzüglich alleine klar kommen zu können, so ist mir das Kommunenhafte doch sehr ans Herz gewachsen. Ich glaube, das reicht auch schon bis in meine Kindheit zurück. Wir hatten ständig Mitbewohner, manche blieben kurz, manche lang, manche kannte man schon früher, manche nicht. Aber immer gab es jemanden, mit dem man einen Quark essen konnte oder der das Bad blockierte. Good times.

Seit mir die zweite Garnitur Mitbewohner ausgeflogen ist (diesmal im Guten, ich schwörs!), wohne ich nun je nach Zählform in meiner zweieinhalbten oder dritten Weegee. Sie wurde auch schon ordentlich eingeweiht, hat doch jeder schon im Suff ins Bad gebrochen. Neue Leute heisst: Neue Musik, neue Esswaren im Vorratsschrank (Edition 2015: Immer Eier und Hering), neue Befindlichkeiten, neue Gäste, die plötzlich auf deinen Stühlen hocken und deinen Kaffee saufen. Manches bleibt sich gleich, manches verschwindet mit dem letzten Karton für immer. Auch wenn wir im Schnitt vielleicht alle zwei Monate wirklich zusammen an einem Tisch Znacht essen, ist das Gemeinschaftsgefühl relativ frisch und stark. Auch weil alles ein Ende hat ausser die Wurst: Im Herbst ziehen wir wohl alle von dannen, in nördlichere, unwirtlichere Gefilde, wo immerhin das Bier etwas günstiger ist. Und wer jetzt denkt, oh, es wird eine Wohnung im 34i frei, gleich mal anklopfen, dem muss ich sagen, zu spät Bengel, Vitamin B, Baby.

 

Text: Simeon Milkovski

0

Wer mit mir in einer Wohngemeinschaft wohnen will, muss zehn Punkte erfüllen. Mindestens. Gut, vielleicht nicht alle immer zu jedem Zeitpunkt, aber es wäre wünschenswert. Denn über gewisse Punkte kann ich hinwegsehen, andere hingegen würden in einen Kleinkrieg ausarten. Und fürs Prinzip würde ich sehr weit gehen. Was ich dafür biete? Ich erfülle diese zehn Punkte ebenso und zwar so gut, wie es geht.

Hier meine Liste, was mein potenzieller WG-Mitbewohner/meine WG-Mitbewohnerin tun und lassen sollte:

  1. Es muss immer reichlich Toilettenpapier vorhanden sein. Ist eine Rolle leer, wird sie gewechselt. Ist kein Ersatz mehr hinten auf dem Spülkasten, wird Ersatz geholt. Sind im Schrank keine Ersatzrollen mehr vorhanden, werden neue gekauft und dabei meine ich nicht nur eine Rolle, sondern mindestens zehn. So einfach ist das.
  1. Meine Zahnpasta ist meine Zahnpasta. Dieses Gesetz ist nicht in Stein gemeisselt und natürlich darf man im Notfall auch mal meine benutzen, ABER sollte dieser Fall jemals eintreten: Die Paste wird von hinten nach vorne langsam hinausgedrückt!
  1. Meine Esswaren werden nicht gegessen. Und wenn doch: Ersetzen. Und ich rede hier nicht von Ketchup oder Konfitüre, sondern von einem guten Stück Fleisch, welches ich für Gäste eingekauft habe. Ansonsten würde ich einfach den Beluga-Kaviar ersatzlos verspeisen. Auge um Auge, Ei um Ei.
  1. Es wird angeklopft. Wer meinen Privatbereich betreten will, klopft bitte an. Nicht, dass ich jedes Mal eine wilde Orgie veranstalte, wenn die Türe zu meinem Zimmer geschlossen ist, aber vielleicht schaue ich mir gerade heimlich das neuste Video von David Guetta an. Und es wäre ziemlich peinlich, wenn ich dabei erwischt würde. Als junger urbaner Stadtzürcher hat man ja einen Ruf zu verlieren.
  1. Die Miete muss bezahlt werden. Regelmässig. Pünktlich. Mit Geld und nicht mit Lunchchecks. Woher das Geld kommt, ist mir dann auch Wurst, solange nicht im Wohnzimmer Kokain auf Kilobasis vertickt wird. Das hat schon damals in «Scarface» nur für Unruhe gesorgt.
  1. Die Schuhe gehören in den Schuhkasten und nicht in die Mitte des Ganges. Wir sind nicht mehr fünf- oder achtjährig. Und wir sind auch nicht verhaltensgestört, also sollte das kein Problem sein. Ansonsten finden sich die Schuhe zusammengebunden an der Stromleitung vor dem Haus hängend wieder.
  1. Fifa spielen. Ich brauche immer mal wieder jemanden um Fifa zu spielen und manchmal will man nicht erst jemanden organisieren. Da sollte dann der Mitbewohner ranmüssen. Ich schaue dafür Germanys Next Topmodel mit oder mache sonst etwas, was ich alleine nie tun würde, mir aber trotzdem irgendwie gefallen wird, obwohl ich das nie zugeben würde.
  1. Der Zürisack wird nicht erst gewechselt, wenn er übervoll ist. Der Bioabfall auch nicht. Das macht man einfach nicht. Wir sind erwachsene Menschen. Solche Dinge machen Erwachsene in der Regel, ohne zu murren. Irgendwann, wenn wir dann reich sind, werden wir über diese Momente lachen, als wir noch selber den Abfall raustragen mussten. Aber bis dahin: Einfach selber entsorgen.
  1. Es wird am gleichen Abend abgewaschen. Das dreckige Geschirr wird nicht tagelang in der Küche gelagert, es wird am Abend der Benutzung noch abgewaschen. Ausser wir haben eine Party gefeiert, dann gelten Sonderregeln. Aber dann gehen wir vielleicht auch dazu über, einfach alles zu verbrennen. Je nachdem.
  1. Dein Zimmer ist zwar dein Zimmer, aber das berechtigt noch lange nicht, in Überlautstärke Pornos zu schauen. Falls dies doch die Meinung sein sollte, werde ich in den Fachmarkt gehen und mir Schallschutzkopfhörer und eine Helene-Fischer-Live-DVD besorgen. Die DVD wird dann voll aufgedreht laufen, bis die Polizei mich wegen schwerer Körperverletzung festnimmt.

Aber ansonsten bin ich ganz umgänglich. Ich bin ja kein Bünzli. Oder zumindest nur ein bisschen. Manchmal.

 

Text: Marco Büsch

0

Meine Wohnung ist zugegeben

voll von Kunst und Versuchen an Kunst
voller Gewürze ich habe mehr als genug
Bücher und Taschen und Hosen und Schuhe
es fehlt mir an nichts und auch Schmuck
habe ich echten unechten dann Musik E und
Musik U ich bin gut bestückt mit Vorratsdosen
habe viele viele Notizzettel und Stifte und Crèmchen
so viele so viele so viele habe ich.

Doch genauso ist vieles erst gar nicht vorhanden.
Hab keine Kissen mit Gesichtern drauf nicht ein
einziges Plüschtier auf Kuschelkurs liegt
auf meinem Bett wartend auf eine Gutenachtgeschichte
auf keinem Globus kann ich mit meinem Finger
herumreisen keine Kaffeemaschine brummt je
nicht einmal Skis habe ich obwohl ich leidlich
fahren kann einen Neopren-Anzug besitze ich
nicht dazu gibt es keinen Grund und obwohl
auch ich Weihnachten feiere verfüge ich über
Weihnachtsmusik nur wenn sie aus dem Radio
kommt ich kann hier nicht Wohnwandmöbeln
entlang klettern denn solche gibt es hier nicht
kein Moos keine Palmen und keine blühenden
Kakteen auch sind hier nirgends ovale Bilder
zu finden keine Stützstrümpfe keine Eile mit Weile
Nagellack ja aber kein grüner keine gefärbten
Strähnchen können mir je vom Haupt fallen in
einen blubbernden Whirpool kann ich mich abends
nicht setzen keine Harfe spielen wenn mir danach ist
keine Mickymausohren anlegen keinen Weichspüler
in die Waschmaschine leeren mit keinem Rasenmäher
herumkurven zum Spass selten Bier trinken denn
wenn dann Wein und erst seit kurzem kann ich
in echte Gummistiefel steigen dafür nicht einmal
Eis am Stiel lecken alles ist reduziert auf vereinzelte
Bedürfnisse so dass ich guten Gewissens trotz
Anhäufung Besitztum gewissem Überfluss
von einer Form von Minimalismus sprechen kann.

Text: Joanna Lisiak, diverse Einzelpublikationen sowie zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Zuletzt: „Besonderlinge – Galerie der Existenzen I; II“, Wolfbach, Zürich

Roboter machen deinen Job. Autos navigieren dich. Der Kühlschrank bestellt dein Essen. Was machst du eigentlich noch?

Was haben ein Taxifahrer und ein Arzt gemeinsam? Beide können bald durch einen Roboter ersetzt werden. Die Technik macht viele Tätigkeiten überflüssig.
Menschen hatten nie mehr Freizeit als heute; dies verdanken wir der sich immer weiterentwickelnden Technik. Aber was machen wir eigentlich mit der gewonnenen Zeit? Verlangen die neuen Freiheiten auch mehr Eigeninitiative und Selbstbestimmung? Oder du lässt die Technik für dich arbeiten?
Was wirst du tun? Was willst du tun?

Das ist das Thema der kommenden Ausgabe. Willst du dazu einen Text schreiben oder eine Illustration machen?

Schick deinen Beitrag bis zum 25. Juni an artikel@dieperspektive oder lade ihn hier hoch.

0

liebe feld-, wald- und wiesenfreunde

nachhaltigkeit. behauptet wird jedenfalls, es sei durchaus nachhaltig, wenn zum hunderttausendsten mal dieses thema aufgegriffen wird. aber man geht halt mit der mode (das hat auch der umweltstudi gemerkt). zudem hat dieperspektive aline trede als chef-kolumnistin. sie zeigt sich immerhin glücklich über das thema, weil die umwelt sie eben umtreibt. ansonsten sagt sie nichts. die sci-fi-perspektive entgeht ihr völlig. in hundert jahren leben wir alle in unserem vollautomatischen, abgeschotteten mini-ökosystem. scheiss auf mutter erde!

aber von vorne: die perspektivlosigkeit dieser perspektive verblüfft. ganz grundsätzlich wird einfach seite für seite die moralkeule geschwungen. schon beim editoral beginnts. „du musst dein leben ändern“ – rilke meinte das vor hundert jahren. alles nichts neues. änderung des lebenstils, eine frage der gewohnheit. richtig, sagt der raucher, versucht zum hundersten mal aufzuhören und steckt sich doch wieder eine zigarette an. so leicht ist’s einfach nicht. nachhaltigkeitswochen hin oder her.

die frage ist doch: wie ist unendliches wirtschaftswachstum auf einem kleinen planeten, wie die erde einer ist, möglich? wir sind das schwarze loch des universums und werden nach und nach alle planeten und alles, was es sonst noch so im universum gibt, fressen. logisch. die ressourcen werden uns über jahrmillionen nicht ausgehen. än guete!

völlig zurecht sagen die chinesen da: was umweltschutz. zuerst kommt der wohlstand. uns doch egal, was dabei draufgeht. – dem ist erst mal wenig entgegenzuhalten. zuerst also die soziale frage (ich bin auch für die gesundheit von baumwollbauern!) und die ist schwierig genug. schliesslich hat hierzlande auch kaum eine sau aus umweltschutzgründen für ecopop gesitmmt. trotzdem leuchtet ein silberstreifen am horizont. der pw (symbol des kapitalismus schlechthin) gesteht ein, dass kapitalismuskritik wichtig ist. das ist das einzige wirklich nachhaltige statement dieser ausgabe. schade, dass dies nun das letzte streitgespräch war. auf dieser grundlage hätte nämlich endlich etwas werden können. denn nicht nur die sozis vom schlage eines simon jacoby wollen geld durch zeit ersetzen, sondern auch die kreativen nachhalter in helsinki.

kreativität. fortschritt. bionik. ich haben nichts gegen schwimmhäute einzuwenden, vielleicht auch nur, weil ich heute im hallenbad war. ab ins wasser. in holland war ich zwar noch nie. aber so ein jar jar binks wäre doch ganz in ordnung, womit auch die sci-fi-perspektive (s. 13: was für ein geiler fötus) eingeholt wäre. wir befinden uns auf dem richtigen weg, äh im richtigen fahrwasser… oder schwimmwasser… oder so. (was wäre eigentlich der ökologische fussabdruck eines duracell-hasen? auch vorne zwei kleine und hinten zwei grosse pfoten?)

so far, so good. immerhin schienen die artikel nicht von hasenfüsen geschrieben. aber dann kommt die heulsusenfraktion mit künstlerischen ambitionen doch noch, wie üblich. ist halt unsere welt: assonanz-schnick-schnack. kugelschreiber – ruhemeider. (germanistikstudi?) sci-fi verdammt nochmal SCI-FI! stattdessen lallt einer von irgendeiner lalternativen hippie-kacke-welt. in einer alternativen welt wäre ich glücklich. pech, leben wir nicht in einer alternativen welt. ich  verstehe sehr gut, dass es fast nicht zu verkraften ist, wenn man von seinen besten freunden – migros und coop – belogen wird. schniff. gib doch deine cumulus- und deine supercard ab. zeig’s den schweinen so richtig. ach, stimmt. die hängen ja schon tiefgefroren im regal – bei migros und coop. auch rolandskys these leuchtet kaum ein: nur anarchisten haben guten sex. sex sells auch im kapitalismus (übrigens meint das auch dieperpsketive, zum x-ten mal: sex in jeder ausgabe). schlechter sex, dafür viel? ich weiss es nicht. schwamm drüber. go fuck yourself man with your poetry-love-goldfish-(und was ist der ökologische fussabdruck eines goldfischs?)-i’m-upset-because-of-some-rich-kids-giving-me-the-shit-shit. (auf seite 20 gibt’s übrigens ein gedicht. nett.)

so genug gejammert. die grandiose lösung zu allem: bewusstsein fördern (endlich begreife ich einmal mein tomatenverhalten. danke für das flussdiagramm.). rauchen ist scheisse, voll bewusst. ich rauche trotzdem. also legen wir uns alle auf eine wiese im sommer, rauchen ein wenig von diesem und schlucken ein wenig von jenem, erweitern unser bewusstsein und machen so einen auf pacha mama.

schlaf also gut, laurin. bis im sommer auf der wiese, wenn es die dann noch gibt. ceterum censeo: norbi hochholt, ganz deiner meinung (vgl. nach-knall januar 2015).

 

mit nach-hall-tigen grüssen

der förster

 

p.s. noch mehr sex, so wie nachhaltig, in jedem ausgabe, wegen konsequent und so. ich so, lese: gegenteil von umwelt so, ist in-welt, in in-welt von deine freundin, man, da bin ich oft – eh, alder,  was laberst, du bist in meine freundin? scheiss witz, man. kannste kippen redaktion. echt eh. aber dann so meine freundin. is‘ konkrete kunstfigur, man. dem scheissern tut nur so. dem meint gar nicht ernst. war voll nicht in mir, haste nicht kapiert. ich so, voll man. stimmt, eh, krasse sache. trotzdem scheisswitz.

Wer kennt sie noch, die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch, die Mogli mit ihren hypnotisierenden Augen in ihren Bann zieht, und ihn nach ihrer Pfeife tanzen lässt? Und jene andere Schlange,  damals, im Paradies, die Eva dazu verführte vom Baum der Erkenntnis zu essen? Genau so versucht sie uns heute immer wieder vom nachhaltigen, ethisch korrekten Leben abzuhalten. Wer denkt, die Schlange habe nichts mit Nachhaltigkeit zu tun: Bitte nochmals das Cover dieser Ausgabe anschauen (aber nicht zu tief in die Augen!) – Und, die Schlange entdeckt? Perfid wie sie ist hat sie sich in einen orangen Flugzeugsicherheitsgurt verwandelt. Die orange Fluggesellschaft kennen wir alle.  Wir sind alle immer wieder kleine Moglis und Evas, die der verführerischen Schlange widerstehen müssen.

Fährst du ins nahe Ausland, nimmst du natürlich den Zug. Die Schlange will dich davon abhalten: „Nimm doch das Flugzeug statt den Zug, ist doch viel schneller, und erst noch billiger!“ Deine Fairtrade-Sneakers kaufst du im netten, kleinen, unabhängigen Kleiderladen. Aber Halt!, sagt die Schlange: „Du musst doch jetzt nicht extra in die Stadt nur wegen einem Paar neuen Schuhen! All die zigtausend Leute dort! Zalando hat ja alles und ist immer da wo du und dein Internet sind!“ Das Poulet, das du kaufst, ist Bio und regional. Beim Fleischkaufen hast du sowieso immer ein schlechtes Gewissen im Hinterkopf. In Form eines orangen 50% – Klebers auf dem Poulet aus slowenischer Massentierhaltung versucht dich die Schlange auch davon abzuhalten. Immer und überall versucht sie dich davon abzuhalten, nachhaltig zu leben!

Mantraartig murmelst du zu dir selbst: „Muss nachhaltig leben, nachhaltig leben, nachhaltig leben, darf der Versuchung nicht nachgeben, nicht nachgeben, nicht nachgeben. Ich geb nicht nach, ich geb nicht nach, ich geb nach-HALT!-ig leben, nachhaltig leben…“ Grad nochmal gut gegangen.

Ja, ein nachhaltiges Leben zu führen kann anstrengend und teu(r)er sein. Aber es muss nicht. Der Versuchung zu widerstehen ist meiner Meinung nach vor allem Kopfsache und zu einem grossen Teil eine Frage der Gewohnheit. Aus ethischen Gründen nachhaltig zu leben erfordert auch den Glauben daran, als einzelner Konsument, als kleines Rädchen im System, etwas zur Veränderung beitragen zu können. Wer diesen Glauben nicht hat, der soll sich von der Nachhaltigkeit an der Nachhaltigkeitswoche an diversen Zürcher Hochschulen vom 2.-6. März überzeugen lassen (siehe Seiten 21-24). Insbesondere der Thementag zu „Faulheit“, an dem unter anderem eine „feierliche 24-Stunden-Siesta“ begangen wird, sollte auch die letzten Zweifler von der stressfreien und gesunden Seite des nachhaltigen Lebens überzeugen. Wir meinen: Statt uns von Kaa verführen zu lassen, probieren wir’s lieber mit Gemütlichkeit – aber viel Überzeugung.

 

Für die Redaktion

Marius Wenger

0

Ich zippe an meinem Beruhigungstee, den ich für 5.70 CHF kurz vor dem Boarding gekauft habe, nehme einen Zug von meiner E-Zigarette mit Mürre-Aroma und geniesse meine «zusätzliche Beinfreiheit». Endlich schlafen! Ich lasse die Sichtblenden runter (Europa sieht nachts von oben doch eh überall gleich aus), lege mir mein Nackenkissen zurecht, Ohropax rein, Schlafmaske über die Augen – und es kann losgehn.

Aus der Ferne höre ich noch die beruhigenden Sicherheitshinweise von Didier (Von MO bis DO ist er jeweils Chef de cabine, ab Freitag übernimmt dann die liebe Sonja. Ich bin mit beiden per Du. Die ganze Menschheit ist mit Didier und Sonja per du, ob man nun will oder nicht). Ich döse langsam weg, der müde Körper freut sich über die summende Geräuschkulisse und mit dem Hochfahren der Triebwerke spüre ich gerade noch, wie sich mein Atem senkt und sich meine tiefsten Schnarchgeräusche in den Rhythmus des Geratters legen.

Naja, und dann schlafe ich drei, vier Stunden durch. Da kriegt mich dann auch keiner wach. Klar, als starker Schnarcher kann man in diesem Fall von purem Egoismus reden, aber was soll ich sagen? Ich kann mich nun mal nur beim Fliegen richtig entspannen. Und ich stecke Didier und Sonja genug Trinkgeld zu, als dass die irgendwas unternehmen würden, wenn sich mal wieder jemand beschwert.

Seit ich meine Wohnung aufgegeben habe und meine Nächte im Luftraum über Osteuropa verbringe, sind meine Schlafstörungen endlich weg. Ich habe alles probiert: die krassesten Schlafmittel,  diverse Therapieformen, saunieren, Globulis, ätherische Ölwickel, Sport… Alles! Aber nichts hat so sehr geholfen, wie der sanfte Schlaf in 3000 Meter Höhe.

Klar, zu Beginn ging das ins Geld. Aber mit guter Planung und den Vielfliegerlounges in Zürich und wahlweise Kiew oder Helsinki ist man in manchem Monat tatsächlich deutlich unter der üblichen Wohnungsmiete! Und ich bin ja nicht obdachlos. In meinem Büro habe ich alles, was ich sonst so brauche: Badezimmer, Mikrowelle, Kaffeemaschine und einen kleinen Kühlschrank. Auch die Utensilien sind nun billiger: Ein Nackenkissen ist ja mit dem Verkauf meines Bettes und den wegfallenden Waschkosten für die Bettwäsche fast hundertfach amortisiert.

Natürlich, der einstündige Aufenthalt vor dem unmittelbaren Rückflug ist jeweils ein unangenehmer Riss aus der Tiefschlafphase, allerdings tut dieses kurze Beinevertreten dem Rücken ziemlich gut. Zudem habe ich gute Kontakte geschlossen und die besten Möglichkeiten für Croissants ausgecheckt. In Kiew beispielsweise gibt es direkt bei Gate 28 einen klitzekleinen Snackstand, an welchem Lena arbeitet. Die Croissants werden immer 15 Minuten vor meiner Ankunft geliefert und sie lächelt jeweils, wenn ich um die Ecke komme und mit Handzeichen zwei Stück bestelle. Ich weiss nicht, ob sie oder der Snackstand Lena heisst. Jedenfalls steht dieser Name auf ihrem T-Shirt.

Beim Rückflug komme ich dann nach zwei weiteren Stunden Tiefschlaf in eine angenehme Dösphase, in welcher die Träume und die Wirklichkeit verschmelzen. Dann führe ich seltsame Konversationen mit Sonja, das Flugzeug macht Loopings und manchmal lehne ich meinen schnarchenden Kopf an die Schulter meines Sitznachbars.

Die Frage nach meiner persönlichen CO2-Billanz ist tatsächlich eine heikle. Wenn man jeden Tag fliegt, gibt es da natürlich keine Entschuldigung. Ja, ich belaste die Umwelt durchschnittlich hoch. Aber rein nervlich bin ich, zumindest im Arbeitsalltag, viel angenehmer für meine Mitmenschen. Auch im Flugzeug beschwert sich überhaupt nicht jeder. So mancher Sitznachbar hat auch schon seinen Arm um mich gelegt und laut mit mir mitgeschnarcht. Willkommen im 21. Jahrhundert.

 

Autor: Laurin Buser, Slam Poet

0

Nachhaltigkeit – der Begriff ist in aller Munde. Nach Jahrzehnten des Kampfes scheint das Wort in Wirtschaft und Gesellschaft angekommen zu sein: Coop und Migros überbieten sich gegenseitig mit immer grüneren Ideen, die Energiewende findet im Parlament eine Mehrheit und für umweltschädigende Unternehmungen wird es zunehmend schwieriger, sich zu rechtfertigen.

Trend gut, alles gut? Könnte man meinen. Ich wage jedoch zu behaupten, der Weg zu einer ökologischen Gesellschaft ist viel steiniger und könnte mit tiefer greifenden Veränderungen verbunden sein als wir uns das vorstellen und wünschen.

Vor 30 Jahren bestand die Umweltbewegung aus aufgebrachten Bürgern, welche auf der Strasse einen respektvolleren Umgang gegenüber der Umwelt forderten. Heute sieht die Situation grundlegend anders aus: Der Gedanke des Umweltschutzes findet vermehrt in der Wirtschaft Anklang. Dieser Trend ist grundsätzlich wünschenswert und ein Verdienst der Grünen Parteien, die den Gedanken des Umweltschutzes in der Mitte der Gesellschaft platzieren konnten. In den letzten Jahren hat sich Beispielsweise der Wirtschaftsdachverband «Swisscleantech» gebildet und wird heute als einflussreiche «Stimme der grünen Wirtschaft» wahrgenommen. Die Forderungen nach «mehr Umweltschutz» verbinden den Wirtschaftsverband und die Umweltbewegung, die Motive dafür sind jedoch sehr unterschiedlich. Während für die Umweltbewegung der Schutz der Natur im Zentrum steht, ist für den Wirtschaftsverband Umweltschutz Mittel zum Zweck: Primäres Ziel ist nicht die Umwelt zu schützen, sondern die Möglichkeit mit nachhaltigem Wirtschaften Geld zu verdienen und so einen neuen Wachstumsmotor zu erzeugen. Der Schutz der Umwelt ist somit nur ein angenehmer Nebeneffekt, nur eine hinreichende, aber im Gegensatz zur Profitmaximierung keine notwendige Bedingung.

Der Umweltgedanke ist in der Schweiz heute so tief verankert wie noch nie. Viele Ideen und grosse Energie ist vorhanden: So entstehen Beispielsweise neue Phänomene wie «urban gardening»,  «containern» oder eine «Nachhaltigkeitswoche», wie sie vom 2.-6. März an den Zürcher Hochschulen stattfindet. Positive und unterstützenswerte Initiativen. Dabei darf es allerdings nicht bleiben. Die Umweltbewegung muss sich stärker den theoretischen Grundlagen ihres Handelns bewusst werden und sich mit ihnen befassen. Ansonsten drohen Aktivitäten nur in oberflächlichen Verbesserungen zu enden ohne die Wurzeln der Probleme überhaupt in Betracht zu ziehen. Folgende zwei Grundsatzfragen scheinen mir dabei zentral und sollten viel stärker, kritischer und offener diskutiert werden:

Erstens: Wirtschaftswachstum und Umwelt

Die erste Frage betrifft die Vereinbarkeit von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz: Ist exponentielles Wirtschaftswachstum auf einem endlichen Planeten möglich ohne die Umwelt zu zerstören? In Anbetracht der enormen Bedeutung dieser Frage finden sich erstaunlich wenige Antworten. Sie ist aber entscheidend, da die daraus entstehenden Schlussfolgerungen das Handeln der Umweltschützer massiv beeinflussen sollten. Wäre Wirtschaftswachstum mit der Umwelt grundlegend nicht vereinbar, hätte beispielsweise die Harmonie zwischen dem Wachstumsverband «Swisscleantech» und den «wahren Umweltschützern» keine Zukunft. Zudem ergibt sich daraus eine weitere Frage: Um das daraus folgende Ziel einer wachstumslosen Gesellschaft zu erreichen, muss zuerst verstanden werden wie Wirtschaftswachstum überhaupt zustande kommt. Eine zweite sehr Grundlegende Frage.

Zweitens: Entstehung von Wirtschaftswachstum

Zugegeben, die Zusammenhänge sind kompliziert und es gibt wohl nur wenige Menschen, die einen vollständigen Durchblick haben. Ich habe ihn zumindest nicht. Auf der Suche nach Begründungen des Wachstumszwanges finden sich verschiedene Theorien: Für die Einen besteht der Grund im Konkurrenzsystem. Um fortbestehen zu können, muss jedes Unternehmen seinen Gewinn maximieren und wachsen, was zu einer wachsenden Wirtschaft führt. Andere sehen die Schuld in der Existenz von Zinsen, worauf aus einem Geldbetrag immer mehr entstehen muss. Für Dritte ist Wirtschaftswachstum eine Folge von Forschung, Innovation und dem Trieb des Menschen.

Am Ende ist mit den vielen Fragezeichen nur etwas klar: Wenn Umwelt und Wirtschaftswachstum nicht vereinbar wären, sind aus Umweltschutzgründen tiefgreifende Veränderungen der Wirtschaft unabdingbar. Lasst uns die vielen Fragen mit Inhalt füllen! Kritisch, differenziert und ohne Rücksicht auf Eigeninteressen. Nur so kann definiert werden, wie die Umwelt in den nächsten Jahrzehnten optimal geschützt werden kann.

 

Autorenbeschrieb: Levin Koller, Student Umweltnaturwissenschaften ETH.

1

Um-Welt, was soll das bitte sein?

Au contraire zur In-Welt oder wie?

Wie die In-Welt deiner Mutter oder deiner Freundin?

Da bin ich öfters. Witz. Ich bin eher so, ist ja lustig, Zigis in den Wald zu schmeissen. Den Stummel weit rein schnippen dass ihn ein Reh frisst. Ich weiss was Umwelt ist, hab schliesslich studiert. Bin auch kein „Klima“-“Skeptiker“. Klar gibts Klima. Meine Freundin hat mir mal vom Plastik in den Weltmeeren geklagt. Langsam hinsiechende Möwen, erwürgt von Kunststoffringen, die mal ein Sixpack zusammenhielten oder einen Fernsehkarton. Immerhin klappt das mit dem Alu. Oder?

Wir rezyklieren doch neunundneunzig Prozent davon, oder?

Aber wär ja nicht schlimm. Das taucht ja, nicht?

Das schwimmt nicht obenauf und bildet Atolle im Nordpazifik wie es der Plastikkarsumpel anscheinend tut. Hat mir meine Freundin erzählt. Sie musste es für einen Vortrag recherchieren sonst wär ihr das auch scheissegal geblieben. Und jetzt hab ich den Salat. Nicht nur im Teller. „Komm Schatz wir nehmen den Nachtzug nach Lissabon, nicht den Flieger. Ist doch auch tolle Ferien so ne Nachtzugfahrt“ sagt sie dann, weil sie weiss, ich spring nur an, wenn für mich was drin liegt. Sie hat aufgegeben mir Nächstenliebe zu lehren. Jetzt macht sie mein Egoismus geil. Das freut mich sehr. Aber Lissabon geht schon mit dem airberlin drei Stunden. Ich bin übrigens schon links. Beziehungsweise Mitte links. Beziehungsweise moderat. Abstimmen tu ich manchmal, wählen eigentlich nie. Und wenn würd‘ ich sicher nicht links wählen. Links abstimmen, also Mitte-links, aber nicht wählen. Bin ich denn bescheuert?

Ausländer raus?

Da müsst ich ja noch mehr arbeiten. Ich bin mit 65 pensioniert, glaubs mir nur. Die AHV hat’s bis dann eh gelupft. Drum landen die vorigen Franken eben unter der Matratze. Bist jetzt verruckt?

Seid’s jetzt madig mit mir?

Aber Ihr könnt mir gar nichts vorhalten, Ihr seid mit Nachhalten beschäftigt. Sobald Ihr anklagt werdet ihr von eurer eignen Heuchlerei aufgefressen. Die Welt retten braucht Zeit, hat mir mal eine Bekiffte mit Filz als Haar vorgetragen. Glasaugen. Alle Zeit eigentlich, eigentlich sollten die Grünen die Vierstundennacht propagieren. Dann kann man wieder raus, was für die Um-Welt tun. Dosen aufsammeln. Ich hab wenigstens begriffen, dass ich auch nix machen kann. Und auch du nicht imfall. Auf den heissen Stein tropfen. Das Pet in den Coop zurückbringen oder in den Volg. Bio kaufen und damit die Schweizer Bauern subventionieren, dass sie weiter um Eins in der Beiz auf ihrem ersten Kirschsuff vom Tag trippen können, wo ich zweiundvierzigeinhalb Stunden pro Woche von einem Schlips erwürgt werde. Klar. Keine Plastiktüten mehr benutzen. Und im Osten feuern sie damit den Ofen an wenn die Kohle mal wieder alle ist. Ja genau. Auf den heissen Stein tropfen. Nächste Woche mach ich ein paar Liegestützen damit meine Arme grösser aussehen und geh nach Schlieren. Kauf mir einen 79er Trans Am und fahr damit überland nach Konstanz zum Einkaufen. Das ist so ein Auto, da sind horrende Abgaben drauf, wenn man damit rumfährt. Der Staat straft, weil der Auspuff noch richtig zu tun hat. Klar kann ich’s mir leisten. Ich sollte einfach aufhören, mir auf Stimulanzien Zigarren mit Hunderternoten anzuzünden, dann hätt ich mehr als genug. Aber man darf ja Vorsätze haben, so bin ich auch nicht. Ich bin ein positiver Mensch. Und Kohlendioxidfetischist. Ich lass ihn an, leg mich unters Heck und schnüffel den Qualm, minutenlang. Oft werd ich dabei spitz und fang an, mir einen runterzuholen. Keine Ahnung, liegt wohl an verdrängten Erinnerungen aus der Kindheit. Ein dicker, fetter Nervenstrang, direkt vom Kohlendioxidrezeptor in meiner Nase in meine Schwellkörper. Gut ist, was glücklich macht. Da muss kein Therapeut oder Priester kommen und mir das madig machen wollen. Der Zug ist schon längst abgefahren. Die Erde gibts sowieso nur noch paar Jahrzehnte. Der Billigflieger hat abgehoben.

 

Autorenbeschrieb: Simeon Milkovski, Mitte Zwanzig, ein positiver Mensch.

1

Self-Checkin, Self-Checkout, E-Banking, E-Tickets: Alles muss man selber machen. Dabei sollte der Kunde doch König sein und nicht noch für dumm verkauft werden.

In meinem Coop kann ich nun auch per Self-Checkout bezahlen. Es geht schneller als wenn ich an der Kasse anstehe. Ich kann die Produkte gleich wieder einpacken und gewinne Zeit. Und trotzdem bleibt ein fader Nachgeschmack. Dasselbe gilt für das Self-Checkin am Flughafen, das Selber-Geschirr-abräumen in der IKEA, beim E-Banking: Es ist zwar effizienter und schneller, aber ich fühle mich auch benutzt oder gar ausgenützt. Ich werde zum Mitarbeiter, obwohl doch der Kunde König sein sollte. Aber auch dann bleibt die Frage, weshalb denn das ein Problem darstellt, man trägt ja selbst auch Nutzen davon.

Mich persönlich nervt es, wenn ich für dumm verkauft werde. Wenn ich in der Zeitung lese, dass Coop und Migros keinesfalls danach streben, in nicht allzu ferner Zukunft alle Kassiererstellen durch  Self-Checkout-Automaten zu ersetzen. Es heisst nur immer: «Niemand wird entlassen!». Dabei lassen sie einfach Arbeitsverträge auslaufen und stellen dann keine neuen Mitarbeiter mehr ein, weil das Self-Checkout günstiger ist. Der eigene Kunde arbeitet und er bezahlt einen sogar noch dafür. Die einzigen Mitarbeiter, welche in Zukunft noch benötigt werden, sind diejenigen, welche beim Check-out helfen und gleichzeitig sicherstellen, dass man nicht klaut. Dasselbe gilt für das Self-Checkin am Flughafen, nur dass es dort irgendwann gar keine Mitarbeiter mehr braucht, weil die Möglichkeit des Stehlens nicht besteht.

Mich nervt diese künstliche Transparenz. Dieses künstliche Getue, als seien diese Firmen deine besten Freunde und wollten nur das Beste für dich. In diesem Bereich ist die IKEA der absolute König: Kaum ein anderes Unternehmen kann einem so das Gefühl vermitteln, verstanden zu werden. IKEA hilft dir in allen Bereichen. IKEA erklärt auch immer alles. Wenn ich das Geschirr im IKEA-Restaurant selber abräumen muss, steht auf einem Schild geschrieben: «Warum sollte ich meinen Tisch abräumen? Bei IKEA zahlt man am Anfang weniger fürs Essen, weil man sein Geschirr danach selbst aufräumt. Mit dem Aufräumen Ihres Tabletts helfen Sie uns auch weiterhin, die Preise niedrig zu halten. Es ist so einfach. Herzlichen Dank.» – IKEA entführt einen aus der Welt der moralischen Bedenken in die Welt des unbedenklichen Konsums. Wegrationalisierte und unterbezahlte Mitarbeiter oder die Frage, weshalb diese Möbel so verdammt günstig sind und wer dafür büssen muss, stellen sich in der Welt des Konsums nicht, hier zählt nur mein vermeintlicher Vorteil. Ich habe weniger bezahlt, also habe ich gewonnen. Und ich muss kein schlechtes Gewissen haben, denn ich hab ja meinen Teller selber abgeräumt, die Möbel selber zusammengebaut.

Auf der gleichen Ebene läuft das beim E-Banking oder bei Ticketportalen: Man wird immer wieder dazu aufgefordert, die Geschäfte elektronisch abzuwickeln. Damit man aktiv hilft, die Papierverschwendung zu verringern. Wer nicht mitmacht und sich die Steuerunterlagen oder die Tickets per Post nach Hause schicken lässt, ist mehr oder weniger ein Ökoterrorist. Hier wird einfach so getan, als wäre alles nur zum Wohle der Umwelt, dabei geht es nur um Nutzenmaximierung. Es braucht keine Filialen mit Mitarbeiter mehr, man muss keine Briefe mehr verschicken, wenn der Kunde elektronisch alles selbst erledigt. Der Kunde wird zum Mitarbeiter und dabei wird so getan, als würde man dem Kunden einen Gefallen tun. Und der Kunde fühlt sich gut, weil er per E-Banking die Umwelt rettet. Effizienzsteigerung geschieht unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit.

Aber man soll mich nicht falsch verstehen: Ich mag ökologisches Denken. Ich mag auch Effizienz. Aber ich mag es nicht, wenn man mir die eigentlichen Beweggründe verschweigt und stattdessen Scheingründe auftischt, nur damit ich mich besser fühle. Echte Freunde machen so etwas nicht, denn Ehrlichkeit ist die Basis jeder wahren Freundschaft.

 

Autorenbeschrieb: Marco Büsch ist Stadtzürcher, politischer Student und Besitzer eines kleinen, aber feinen Blogs: marcobuesch.wordpress.com