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Aline Trede

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Aline Trede ist grüne Nationalrätin aus dem Kanton Bern. Nicht alles an ihr ist aber grün: Sie hat fünf verschiedenfarbige Brillen, keine einzige davon ist grün. Weil sie Politikerin ist, schreibt sie für uns immer über Politik.

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Meine Erinnerung an WGs ist sehr gut. Ich habe in vielen verschiedenen gewohnt von 2 bis 9 Personen, jedes Jahr in einer anderen Wohnung, in einem anderen Quartier, sogar in anderen Städten. Die WG-Zeit möchte ich nicht missen, es gibt jedoch etwas, da bin ich heute froh, dass ich nicht mehr in einer WG wohne. Und das ist: die Kühlschrankdebatte.

Der Pickfeine

In einigen WGs herrschte ganz klare Rangordnung. Jede und Jeder hatte sein Fach, da war klar, dort kommt nur das hin, was auch mir gehört, ich bin verantwortlich für mein Essen und dass es nicht schlecht wird und wenn mir mal was fehlt, muss ich die anderen fragen, ob ichs ausleihen kann. Oder manchmal hat man dann mal einfach was genommen, sicher genau an dem Abend wurde es auch von seinem Besitzer gebraucht.
Die etwas abgeschwächte, aber nicht minder pingelige Version dieses Fächliwesens ist das Nämelen. Ein fetter, wasserfester Stift hängt am Kühlschrank und jede Person schreib seinen Namen auf jedes Gut, welche ihr gehört. Das eine Problem ist, dass dies bei mir wirklich Zwangsneurosen auslöst und wenn mal was nicht angeschrieben ist, wird’s schlecht und niemand schmeissts weg.

Der Versiffte

Der Kühlschrank, in dem das Chaos herrscht. Alles schmeissen alles irgendwie rein, das neuste zuvorderst, das ältere wird in den Sedimentschichten nach hinten geschoben, versifft dort und stinkt. Niemand räumt auf, niemand fühlt sich verantwortlich, niemand putzt mal den ganzen Kühlschrank gründlich durch, alle essen immer nur das frische in der vordersten Reihe.

Irgendwann muss dann eine WG-Sitzung her und das Thema wird besprochen, dann putzt man gemeinsam den Kühlschrank und nach 2 Monaten sieht alles wieder gleich aus. Wäääh! Und Foodwaste wird am Laufmeter produziert.

Der Familiäre

Der Kühlschrank, welche in meiner WG-Erinnerung am besten und effizientesten funktioniert hat ist der Kühlschrank, in dem allen mithelfen den Grundstock zu erhalten. Milch, Butter, Mayo etc. Wenn was leer ist, wird’s ersetzt oder auf den Einkaufszettel geschrieben. Braucht wirklich jemand für ein schönes Znacht die Zutaten, wird das vermerkt oder gesagt, damit niemand davon nimmt und das Menu platz. Gebutzt wird einmal im Jahr sowieso die ganze Wohnung, also auch der Kühlschrank. Foodwaste wird wenig produziert, da praktisch alles für alle frei nehmbar ist. Schön!

 

In der eine WG hatten wir sogar 2 Kühlschränke und dann mal einen Stormausfall, aber diese Geschichte erspare ich euch, die gehört in eine anderen Kategorie.

«Wir mögen Greenpeace, WWF, Supermärkte ohne Verpackungen, Vegan, Vegetarisch und Slowfood. Aber kaufen unsere Schuhe auf Zalando, fliegen mit Easyjet an eine Party in Berlin und nehmen vier Plastiksäckli im Coop. Und hin und wieder ein Cheeseburger im Mac nach einer durchfeierten Nacht hat noch nie geschadet.»

Die Aufforderung zu dieser Kolumne hat mich glücklich gemacht. Weil mich dieses Thema umtreibt und ich jeden Tag in meinem Umfeld diese Debatte führe. Und auch weil ich für mich sagen kann, ja, ich bin konsequent und lebe, was ich politisch fordere. Strike! Leider interessiert’s politisch niemanden.

Konkret: Ja, ich bin Mitglied bei WWF und Greenpeace. Ja, ich versuche in Supermärkten ohne Verpackungen einzukaufen, was nicht so einfach ist in der Schweiz. Vegan bin ich nicht, esse Fleisch vom Biohof Heimenhaus, da weiss ich genau von wo die Tierli sind und Slowfood – naja, mit einem Kleinkind gibt’s glaubs nichts anderes, oder?

Und nein, ich kaufe meine Schuhe nicht auf Zalando, weil die nur Billiglöhne zahlen und keinen guten Arbeitnehmerschutz kennen und fliegen tu ich gar nicht. Im Mac war ich seit dem Rinderwahnsinn nicht mehr und habe das Vorhaben «gegen Multis hilft nur die KonsumentIn» immer in meinem Poschettli. Das heisst, ich kaufe auch nichts von Néstle, Unilever etc. – wenn es denn ersichtlich ist.

Die Frage ist nun wirklich: Warum finden alle so ein bisschen öko sein ist total hip, aber ich lebe, wie ich will?  Warum sagen alle im Gespräch, jaja, du hast schon recht, aber ich kann’s eben noch nicht grad ändern. Warum wählen viele die Grünliberalen und stehen nicht mal dazu? Genau das ist der Punkt. Es gehört zum guten Ton sich für die Umwelt einzusetzen und sich ökologisch und engagiert dafür zu äussern. Wenn es aber um Verzicht geht oder um Konsequenz sind wir doch Luxuskinder und das Angebot ist zu gross und Geld haben wir auch genug. Warum sollte ich diese Peperoni nicht kaufen, welche mich da so schön anlacht in der Auslage. Sie ist ja eh schon da. Und saisonal kochen kann ich ja dann morgen mal. Warum sollte ich auf eine Woche Wärme verzichten, wenn das Angebot für die Seychellen so billig und verlockend ist. Und warum sollte ich Velofahren, wenn ich doch so ein cooles Auto habe?

Weil es um deine Lebensgrundlage geht, f***. Weil du nur dank sauberer Luft, sauberem Wasser und gesunden Lebensmitteln überleben kannst. Und weil kein anderes Lebewesen auf dieser Welt so dumm ist und sich seinen eigenen Lebensraum zerstört. Und weil du die Macht hättest, mit kleinen Veränderungen, extrem viel zu verändern.

Beginn jetzt und leg das Kotelett zurück ins Regal.

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Wenn ich diese Frage höre, warum hast du so verdammt schiss davor zu scheitern?! Kommen mir als Politikerin als erstes die Nationalratswahlen im 2015 in den Sinn. Weil es ist das erste Mal in meinem Leben der Fall, dass ich Angst habe zu scheitern. Ich habe mir vorgenommen, dass ich diese ganze Frage easy nehme. Denn ich habe noch viele Pläne in meinem Leben, welche ich umsetzen möchte und ich bin ja noch jung…

Ich habe mich bemüht, mich diesem Stress, welcher im Parlament bereits heute herrscht, zu entziehen. Aber ich schaffe es nicht! Bereits ein Jahr vor den Wahlen sind einige so stark am hypern, dass sie mich mitreissen. Und natürlich sind es die, die in kleinen Parteien sind oder die, die in einem Kanton wohnen, welche einen Sitz an Kantone verlieren, welche ein grösseres Bevölkerungswachstum haben und deshalb die Sitze erhalten. Lange habe ich cool gelächelt, wenn mir jemand gesagt hast, du hast ja einen Wackelsitz, nicht? Heute sage ich noch zerknirscht, ja ich weiss – trotzdem, es hilft mir auch. Es fördert meinen Kampfeswillen, ich weiss, dass ich kämpfen muss, aber ich weiss auch, dass ich es kann. Und ich weiss ganz genau, dass ich mehrere Pläne B habe, wenn es nicht funktionieren sollte.

Der Punkt ist jedoch auch ein gesellschaftlicher. Warum haben wir so Angst davor zu scheitern? Weil in unserer Gesellschaft scheitern verachtet wird und nicht als unternehmensfreudig angeschaut wird. Wenn jemand versagt, heisst es nicht, wow, das war jetzt aber mutig. Nein es heisst, ha, hesch gseh, scho wider vrseit! Solange sich das nicht ändert wird wohl auch der Innovationsgeist der Schweiz nicht zurückkommen. Denn wer nichts riskiert, kann auch nichts gewinnen.

Ich habe Schiss davor zu scheitern. Aber es hält mich nicht davon ab, trotzdem noch weiteres zu wagen. Auch wenn es manchmal etwas Überwindung und Mut braucht.

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Vor kurzem stand bei uns in der Zeitung, dass die Gentrifizierung in meinem Quartier angekommen sei. Ich dacht, ok, ist das nun gut? Ich bin immerhin mit von der Partie, aber möchte ich das überhaupt sein? Wenn ich heute auf der Strasse die Gentrifizierung erklären müsste, ganz einfach und volksnah, ich könnte es nicht. Wir brauchen das immer in Zusammenhang mit Wohnungsnot und billigem Wohnraum. Und wir Grünen sind gegen Gentrifizierung, das weiss ich. Und ich denke da  bin ich auf der sicheren Seite, denn es gibt vieles mit „Gen“, was mir suspekt ist. Gentechnologie, Genozid, Genveränderung, Genau, Generell, Gentelman…

Ich habe dann mein Quartier angeschaut und mir überlegt, was nun hier wohl in den letzten Jahren passiert ist. Was ich feststelle ist, dass es sehr viele junge Familien gegeben hat, welche mit vielen kleinen Kindern auf der Strasse auftauchen und es zu riesigen Bobbycar-Rennen aussartet. Wir Eltern trinken dann ein Bier auf der Strasse und machen einen auf Reclaim the Street. Aber klar, ja, die Eltern sind alles Doppelverdiener, haben ein Häusschen und einen guten Job und total anständige Kinder. Im Quartier gibt es auch Sozialwohnungen, die Bewohnerinnen und Bewohner nehmen am Quartiefest teil oder bleiben für einen Schwatz mit ihrem Hund auf der Strasse stehen. Eigentlich find ichs in meinem Quartier viel dörflicher als im Film „Zum Beispiel Suber“. Dort spricht ja anscheinend niemand miteinander, gibt’s kein Lädeli mehr (was bei uns sehr wohl der Fall ist), grosse Hecken verstecken die Sicht und das Interesse aneinander ist sehr klein. Wenn bei uns im Quartier jemand alleinstehendes sterben würde, würde das immer jemand merken. Dass eine Leiche 2 Jahre rumliegt, nein, das käme bei uns nicht vor.

Nach dieser Kolumne weiss ich ja jetzt was Gentrifizierung ist, bin ich denn jetzt Teil davon?

Unser Quartier ist eigentlich ein kleines Dörfli in der Stadt, mit Reichen, Jungen, Ausländerinnen und Ausländern und einem Generationenwechsel. Ich finds schön und ich fühle mich aufgehoben.

Auf jeden Fall bin ich, nachdem ich das Wort nachgeschlagen habe, froh, dass ich nicht genau wusste, was es ist. Somit bin ich auch nicht Teil davon. Die Zeitung hatte übrigens nur teilweise recht, je nach Definition. Nach dieser Kolumne weiss ich ja jetzt was Gentrifizierung ist, bin ich denn jetzt Teil davon? Ist dieperspektive verantwortlich dafür, dass ich jetzt Teil davon geworden bin? Ich hoffe es nicht, denn leben tu ich was anderes.

Mein Smartphone ist wirklich smart. Es hilft mir mein Leben logistisch zu meistern. Bis jetzt vor allem mit Kommunikation, sei es telefonieren, sms-schreiben oder chatten. E-Mails schreiben tue ich auch auf dem Smartphone, aber nur von unterwegs. Es hilft mir auch immer auf dem Laufenden zu sein, online-Zeitungen, Newsticker, Twitter etc.

Was ich jedoch bisher nicht wusste. Mein Smartphone kann eben auch Politik machen. Es erklärt mir zum Beispiel, was wirklich hinter den Politikerinnen und Politikern in Bern steckt. Das Rechtschreibe-Korrekturprogramm korrigiert die Namen, wenn ich sie in ein Textfeld eingebe – so weiss ich immer grad woran ich bin.
Gebe ich zum Beispiel Mörgeli ein, korrigiert mir mein Smartphone den Namen in Nörgelei. Ok, das heisst also, der Herr Mörgeli, SVP-Nationalrat aus Zürich, nörgelt gern? Herr Schwaller hingegen, Fraktionschef der CVP, ist laut Smartphone ein Schwafler. Muss man ja als Fraktionspräsident auch sein, oder nicht? Beim Herrn Oskar Freysinger, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Wallis, korrigerts mir in Freisinget, was auch zutreffen könnte, da sich Herr Freysinger ja gerne zwischendurch frei singt und dies nicht nur mit Niveau. Für Herrn Amstutz, SVP-Fraktionspräsident, hat mein Telefon die Übersetzung Abstützen parat. Lass ich mal so stehen.
Frau Fiala, FDP Zürich, ergibt Diana. Was will mir hiermit das Telefon sagen? Wird Doris Fiala mal noch einen Prinzen heiraten? Oder nach Grossbritannien auswandern? Oder hat sie blaues Blut und weiss es selber noch nicht? Die Spekulationen passen zu Olivier Feller, FDP-Nationalrat aus dem Kanton Waadt. Hier ist die Korrektur Geller. Feller ist also Magier, wie Uri Geller und könnte so den Vermutungen um Doris Fiala ein Ende setzen.
Herr Müri, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Luzern, geht laut Korrekturprogramm gerne nach Möritz in die Ferien. What else?
Was ich jedoch bis heute nicht wusste, dass Matthias Aebischer, SP-Nationalrat aus Bern, serbische Wurzeln hat. Aebischer ergibt Serbischer, vielleicht sollte er mal eine Familienaufstellung machen. Dann wüssten wir mehr.
Bastien Girod, Grüner aus Zürich, isst laut Programm am liebsten Giros. Ist das mit seinem Hang zum veganen Essen vereinbar?
Bei Natalie Rickli, SVP-Natioanlrätin aus Zürich, ergibts Rücklicht, ob sie das bei der SVP ist oder alle immer nur ihre Rücklichter sehen bleibt offen.
Bei Herrn Grunder stimmts: Gründer. Er ist ja Parteimitbegründer der BDP. Seine Parteikollegin Rosemarie Quadranti wird zum Quadrant. Geometrisch oder astronomisch wird nicht näher erläutert.
Trede, also mein Name, ergibt übrigens je nach Zeitpunkt reden oder treten. Reden, ja das tu ich wahrlich gern und treten? Am liebsten mit einem Ball oder in die Pedale.

Fazit aus dieser Session mit meinem Telefon: mein Smartphone ist smart, aber ob ich allen Hinweisen folgen werde – eher nicht. Es ist wohl einmal mehr besser, mit den Menschen hinter den Namen persönlichen Kontakt zu pflegen, um zu wissen, was wirklich in und hinter ihnen steckt. Somit brauche ich mein Smartphone für die Politik, aber nicht um die Charakteren zu erkennen.